Berlin : Kurzmeldungen

Gerd Nowakowski

PRO

Das Mahnmal für eine starrköpfige Verkehrsplanung kann man jeden Tag in der Leipziger Straße sehen. Dort enden kurz vor dem Potsdamer Platz die Schienen für eine Straßenbahn, die nie kommen wird. Gegen alle Argumente wollte die Verkehrsverwaltung die Trasse durchdrücken, auch wenn für die Autos dann nur noch jeweils eine Spur übrig geblieben und die Ost-West-Achse dicht gewesen wäre. Heute vermisst niemand diese Straßenbahn, nicht einmal Verkehrssenator Peter Strieder, der die Schienen einst legen ließ.

Die Planer wähnten nach der Wende Berlin auf dem Weg zu einer Metropole mit fünf Millionen Einwohner. Heute wissen wir es besser. Mehr als die dreieinhalb Millionen werden wir nicht. Darauf muss sich die Infrastruktur für den Nahverkehr einstellen. Die Modernisierung der U-Bahn oder die Wiedereröffnung des S-Bahn-Rings waren wichtig, einen weiteren aufwändigen Ausbau des Straßenbahn-Netzes aber brauchen wir nicht mehr. Ein Land am Rande des Bankrotts kann sich dies nicht mehr leisten. Im übrigen ist das Netz von BVG und S-Bahn engmaschig und großzügig genug. Das Ziel, noch mehr Berliner zum Umsteigen vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr zu bewegen, bleibt richtig. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es keine zusätzlichen Straßenbahnlinien, sondern bessere Angebote: Entscheidender sind attraktive Preise, optimierte Anschlüsse und Verbindungen sowie ein freundlicher Service. Da kann die BVG noch einiges tun. Und billiger als neue Straßenbahnen ist es allemal.

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