Berlin : Kurzmeldungen

Björn Seeling

CONTRA

Das Stopplicht für den Ausbau der Straßenbahn ist das falsche Signal. Große Teile der Innenstadt bleiben von einem Verkehrssystem abgekoppelt, dem die Zukunft gehört. Denn die Straßenbahn ist nicht die „Elektrische“ von anno dunnemals. Vielmehr rollen heute komfortable Züge über Schienen, die meist getrennt vom Autoverkehr liegen und hohe Geschwindigkeiten zulassen. Der Bus als Alternative scheidet aus: Er ist staugefährdet, seine Extraspuren sind häufig zugeparkt, und seine Abgase verpesten die Luft. Städte, die weitsichtige Kommunalpolitiker haben, fahren auf die Schiene ab. Das zeigt Karlsruhe, wo die Straßenbahn der Renner ist. Dort gelang es – dank intelligenter Planung und guter Werbung –, scharenweise Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen. Auch Berlin könnte das schaffen. Allerdings müsste die Politik endlich die gesamtstädtische Bedeutung des Verkehrssystems anerkennen. Beim Straßenbahnbau geht es nicht um Schwachsinnsplanungen wie in der Leipziger Straße, an der die U-Bahnhöfe so nah wie nirgends beieinander liegen und Senator Strieder trotzdem Straßenbahngleise einbauen ließ. Vielmehr muss das Netz intelligent erweitert werden: Der Hauptbahnhof ist nur für S-Bahn-Nutzer erreichbar. Auch die Strecke von der Prenzlauer Allee zum Alex muss her, weil sie zehntausenden Fahrgästen das Umsteigen erleichtert. Attraktivere Verbindungen locken mehr Passagiere in die Bahnen (siehe Karlsruhe), was nebenbei die Einnahmen erhöht. Am Ende macht sich die Investition bezahlt.

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