Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

Frauen und Schuhe! Beim Ehepaar Lindner hing kurzzeitig der Haussegen schief; dabei hatte es der Ehemann doch nur gut gemeint. Martin Lindner, FDP-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, hatte seiner Frau vorgeschlagen, allein mit den Kindern ein paar Tage Urlaub zu machen. Politiker haben immer so viel zu tun – er muss zu Hause bleiben. „Dann fährst du in der Zeit wohl wieder nach Paris“, bekam Lindner daraufhin zu hören. Denn Frau Lindner hatte die letzte Kreditabrechnung durchforstet und war auf eine größere Summe gestoßen, die ans „Crazy Horse“ ging. Martin Lindner schwor Stein und Bein, niemals in dem Revue-Cabaret gewesen zu sein, um sich leicht bekleidete junge Damen anzuschauen. Die leichten zwischenehelichen Spannungen lösten sich schnell wieder auf. Frau Lindner war plötzlich eingefallen, dass sie mit der Kreditkarte Schuhe gekauft hatte. In einem Laden in Charlottenburg namens „Crazy Horse“ – nahe der Spree, aber weit weg von der Seine.

Frauen und wilde Tiere! Justizsenatorin Karin Schubert war jüngst in die Schlagzeilen geraten, weil sie eine Dienstreise in China dazu benutzt hatte, sich um den Panda-Nachwuchs im Berliner Zoo zu kümmern. Immerhin schlug sie bei ihren Verhandlungspartnern eine Samenspende für das liebes-unlustige Pandaweibchen Yan-Yan heraus, aber nun gibt es ein echtes Problem. Der tiefgefrorene Samen bedarf einer Einfuhrgenehmigung der Bundesregierung. Und zwar schnell. Denn Yan-Yan ist nur bis April empfänglich. Also bat Schubert ihren Amtsvorgänger, den Grünen-Politiker Wolfgang Wieland um Hilfe. Der soll sich beim Parteifreund Jürgen Trittin, der als Bundesumweltminister fachlich zuständig ist, für eine rasche Genehmigung stark machen. Ein kleines Bestechungsangebot legte die Senatorin gleich dazu. Wenn in Berlin wirklich ein Pandababy männlichen Geschlechts zur Welt kommen sollte, könne es doch Jürgen heißen. Vielleicht besser: Trit-Tin…

Haushälter und Mittagspause! Zurzeit quälen sich die Mitglieder des Hauptausschusses durch das Zahlenwerk des Nachtragshaushalts für 2003. Die Beratungen gehen von 10 Uhr oft bis in die Abendstunden; eine kurze Mittagspause abgerechnet. Das Catering des Abgeordnetenhauses ist zwar nicht schlecht, aber auch nicht preiswert. Deshalb setzte der CDU-Finanzexperte Gregor Hoffmann jetzt die Eigenversorgung auf Fraktionskosten durch. Ab sofort werden den CDU-Haushältern in jeder Sitzung ein großer Obstkorb und Getränke serviert.

Sarrazin und Literatur! Wer glaubt, der Finanzsenator lese nur Haushaltspläne, hat sich getäuscht. Als PDS-Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner ihren 60. Geburtstag feierte, überraschte er sie mit einem guten Buch: mit den Memoiren des chilenischen Dichters Pablo Neruda. „Ich bekenne, ich habe gelebt.“

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