Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

So ein Zufall. Als Christian Gaebler, Vize-Chef der SPD-Abgeordnetenhausfraktion, zu Hause in seiner Schreibtischschublade kramte, bekam er ein 5-Markstück zu fassen. Von 1936. Auf dem Rand stand: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz“ und auf der Rückseite war der ehemalige Reichspräsident Paul von Hindenburg abgebildet. Gaebler musste grinsen, weil gerade in diesen Tagen das Landesparlament hingebungsvoll darüber diskutierte, ob Hindenburg Ehrenbürger Berlins bleiben darf. Er darf, mit dem Segen der SPD – obwohl der Koalitionspartner PDS dagegen ist. Gaeblers Hindenburg-Münze ist übrigens ein Mitbringsel von einer Moskau-Reise. Vor ein paar Jahren zeigte der Gastgeber dem SPD-Mann die Münze, die er von der Großmutter geerbt hatte. Sie war in Kriegszeiten in russische Hände geraten. Ob das Geldstück noch gültig sei? Gaebler verneinte und durfte Hindenburg mit nach Hause nehmen.

So ein Unglück. Dem Bauunternehmer Rainer Ueckert ist das Parlamentsmandat von heute auf morgen abhanden gekommen. Der Berliner Verfassungsgerichtshof hat es dem CDU-Politiker aberkannt, weil der Sitz im Abgeordnetenhaus nach der Wahl 2001vom Landeswahlleiter falsch zugeteilt wurde. Rechtmäßig gehört das Mandat dem Parteifreund Carsten Wilke aus Treptow-Köpenick, aber Ueckert konnte überhaupt nicht fassen, was da geschehen war. Am Mittwoch kam er wie gewohnt zur Sitzung des parlamentarischen Hauptausschusses, wurde aber sogleich vor die Tür gesetzt. Die Parlamentsverwaltung hatte aufgepasst und ließ nicht mit sich diskutieren. Denn Ueckert war seit Verlesung des Urteilsspruchs kein Abgeordneter mehr, und das Verfassungsgericht ist die letzte Instanz. Nun muss sich nicht nur die CDU-Fraktion neu sortieren, denn ihr ist ein kenntnisreicher Bauexperte abhanden gekommen. Auch Ueckert muss sich erst daran gewöhnen, nur noch Chef seiner Baufirma zu sein.

So ein Ding. Als die Senatskanzlei im Roten Rathaus begann, den 25. Jahrestag des Bürgerreferats vorzubereiten, begab man sich auf die Suche nach dem ersten Leiter der Beschwerdestelle – und wurde fündig. Es war der damals 38-jährige Jens-Uwe Krah, ein Jurist in der staatlichen Rentenversicherung, der im Auftrag des Regierenden Bürgermeisters Dietrich Stobbe den Kummerkasten für die Bürger organisierte. Mit vier Mitarbeitern nahm er am 1. April 1978 die Arbeit im Zimmer 194 des Schöneberger Rathauses auf. Die Regierenden kamen und gingen, das Bürgerreferat blieb bestehen. Aber wo war Krah? Klaus Lehmann, der heute das Bürgerreferat führt, fand heraus, dass es seinen Vorgänger längst nach Neuruppin verschlagen hat: Er ist dort Direktor des Sozialgerichts.

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