Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

Politik und Medien rücken gern eng zusammen. Die traute Zweisamkeit hat aber rasch ein Ende, wenn Politiker argwöhnen, es könnten schlechte Nachrichten über sie verbreitet werden. So zogen am Donnerstag zwei SFB-Journalisten unverrichteter Dinge ab, die sich von einem Besuch im Grundbuchamt Lichtenberg Aufschluss über lange Bearbeitungszeiten und personelle Engpässe erhofften. Die CDU-Abgeordneten Andreas Gram und Michael Braun hatten Justizsenatorin Karin Schubert um einen gemeinsamen Rundgang im Amt gebeten, um den Problemen auf die Spur zu kommen. Die Kollegen vom Rundfunk brachten sie gleich mit, was zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit der resoluten Senatorin führte. Sie lehnte die Pressebegleitung ab und ließ sich zu nichts überreden. Gram und Braun beendeten die Visite, bevor sie begann, und man trennte sich im Streit.

Im März 1999 lief Eberhard Diepgen den traditionsreichen Berliner Halb-Marathon zum letzten Mal als Regierender Bürgermeister mit. Er landete auf Platz 2856 und kam nach 2 Stunden 13 Minuten und 51 Sekunden ans Ziel. Das könnte die Messlatte für den Super-Senator und SPD-Landeschef Peter Strieder sein, der am Sonntag den Berliner Frühjahrs-Klassiker zum ersten Mal laufen wird. Auf seiner Datsche im nördlichen Brandenburg joggt Strieder einigermaßen regelmäßig und fühlt sich ganz gut in Form. Nur leider hat er sich am Mittwoch beim Tennisspielen (wofür Politiker so alles Zeit haben) das Bein verdreht und musste gleich zwei Mal in die Charité zur Behandlung und Massage. Der SPD-Mann will am Sonntag trotzdem an den Start gehen – und sollte er langsamer laufen als der Politpensionär Diepgen, kann er sich prima herausreden: Die Wade hat gezwickt.

Es begann damit, dass Ulrich Schlei einen Brief zur Post bringen wollte. Am heiligen Sonntag, das Ding musste per Einschreiben dringend weg. Aber er fand in Berlin keinen Postschalter, der feiertags offen ist. Nicht einmal am Zoo oder am Flughafen Tegel. Schlei, der als Sohn der früh verstorbenen ehemaligen Bundesministerin Marie Schlei den Umgang mit Politik und Unternehmensvorständen von klein auf gewohnt ist, setzte alle Hebel in Bewegung, um den Missstand zu beheben. Er rief sogar in der Senatskanzlei an – aber da war am Sonntag auch niemand zu erreichen. Schlei war fassungslos – fragte Klaus Schütz, fragte Dietrich Stobbe. Die erinnerten sich prompt, dass es zu ihrer Regierungszeit selbstverständlich einen „Beamten vom Dienst“ im Rathaus gab, der an Feiertagen Stallwache schob und Notrufe aller Art entgegennahm. Die Begründung, die Schlei von der Senatskanzlei erhielt: Das Rote Rathaus sei doch per Fax oder E-Mail rund um die Uhr erreichbar. Die Frage ist nur, wann die Mail beantwortet wird…

Oh Handy! Der parlamentarische Geschäftsführer der PDS-Abgeordnetenhausfraktion, Uwe Doering, hat so ein neues Spielgerät, mit dem sich auch telefonieren lässt. Jedem eingespeicherten Gesprächspartner hat er sogleich eine eigene Erkennungsmelodie verpasst. Wenn SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler anruft, erklingt die Filmmusik von „Mission Impossible“. Das Koalitionsklima scheint rauer zu werden…

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