Berlin : Kurzmeldungen

Fatina KeilaniCONTRAEin bizarres Ansinnen: Wirten

PRO

Was macht eigentlich ein Nichtraucher, der in halbwegs klarer Luft ein paar Bier zischen oder was Leckeres essen und dazu Wein trinken will? Er ist aufgeschmissen. Denn die Lokale, in denen das Rauchen verboten ist, sind spaßbefreite Zonen. Dort gibt es oft keinen Alkohol, man ernährt sich von Dinkelbratlingen und fleischlosen Brennesselpseudobouletten, und dass man die Gesundheitslatschen nicht an der Tür ausziehen muss, wirkt schon wie ein selbstloses Entgegenkommen des Wirts. In normalen Kneipen hingegen ist der Nichtraucher gezwungen, die schädlichen Schwaden seiner qualmenden Tischnachbarn einzuatmen. Er hat keine Wahl. Die Luft ist zum Schneiden, und die Kleider riechen am nächsten Tag, als hätten sie im Ascheimer übernachtet. Eine rauchfreie Kneipe können sich die meisten gar nicht vorstellen. „Gott, wie ungemütlich!“, heißt es dann. Aber wieso sollen die Nichtraucher dazu gezwungen sein, das zu akzeptieren, die Raucher hingegen zu nichts? Ein Rauchverbot würde deshalb helfen. Weil das Wort „Verbot“ immer hässlich klingt, könnte man die Umsetzung weicher gestalten als in New York. Zum Beispiel so: Es muss Nichtrauchern eine weitgehend rauchfreie Umgebung ermöglicht werden, sei es durch Nichtraucherzonen oder durch eine funktionierende Klimaanlage. Gelingt das nicht, darf in der Kneipe nicht geraucht werden. Mag ja sein, dass niemand in die Bar geht, um gesund zu leben. Aber wer sich dort betrinkt, schadet wenigstens nur sich selbst. Fatina Keilani

CONTRA

Ein bizarres Ansinnen: Wirten eine Vorschrift machen zu wollen, welche Gewohnheiten ihre Gäste pflegen dürfen, und welche nicht. Sie – die Gäste – sollen ihren Aufenthalt schließlich genießen und sich vergnügen. Für manche gehört Rauchen dazu. Für andere genau das Gegenteil: keine Qualmerei am Nebentisch. Und natürlich besteht da ein Ungleichgewicht der Belästigung: Nur die wenigstens Raucher fühlen sich durch nichtrauchende Mitmenschen im Wohlbefinden gestört. Aus genau diesem Grund und völlig zu Recht ist an vielen Arbeitsplätzen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf den Fluren von Behörden das Rauchen verboten. An diesen Orten hält niemand sich immer nur freiwillig auf; das heißt auch, er könnte dort gesundheitsschädlichem Qualm nicht ausweichen, muss also davor geschützt werden. In einem Speise- und Schanklokal dagegen ist jedermann allezeit nur, weil es ihm Spaß macht. Keiner wird gezwungen, also muss auch keiner geschützt werden. Umgekehrt steht es im Belieben jeden Gastronoms, Nichtraucher-Bereiche auszuweisen oder gleich das ganze Lokal zur Dunstfreien Zone zu erklären. Wenn das dennoch nur wenige tun, dann allein aus mangelndem Interesse der Nichtraucher – die offenkundig gar nicht so übermäßig wild darauf sind, ihr Bier nur mit ihresgleichen zu trinken. Kneipen ohne Laster, das bringt’s eben nicht. Oder, wie es ein New Yorker jüngst treffend formulierte: „Wer geht denn in die Bar, um gesund zu leben?!“ Holger Wild

WAS MEINEN SIE?

Soll in Berlins Bars und Restaurants das Rauchen generell verboten werden?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

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