Berlin : Kurzmeldungen

Matthias Oloew

TORTENSCHLACHT

La Leander,

Kurfürstenstraße, Ecke Benkertstraße in Potsdam

Das Schlagwort vom „alten Europa“ ist ja mächtig in. Vor allem in Amerika. Da sollen Aufkleber mit „Old Europe“ darauf der totale Renner sein. Und weil das so ist, haben wir uns entschieden, mal wieder richtig Trendsetter zu sein und auf den Pfaden des alten Europa zu wandeln – traditionsbewusst im Schlosspark Sanssouci.

Ein schöner Spaziergang war das, auch durch die Innenstadt von Potsdam, und wir stellten fest, dass wir lange nicht mehr da waren. So viel hat sich verändert, im alten Potsdam. Unser Weg führte ins Holländische Viertel, diesmal nicht, weil wir besonders trendbewusst sein wollten, sondern, weil uns ein Café in guter Erinnerung war, das wir auch prompt wiederfanden. Und siehe da: Wieder waren wir voll im Trend.

Denn das „La Leander“ mit seinen niedrigen Decken und engen Räumen ist ganz altes Europa. Auch das Mobiliar ist altmodisch, weil in alternativ-rustikalem Schick der Spät-70er gehalten. Mitt- und Enddreißiger, wie wir, fühlen uns im „La Leander“ an unsere Jugendclub-Zeiten erinnert. Auf den Tischen stehen leere Flaschen mit Kerzen drauf. Das kommt jetzt alles wieder, ganz bestimmt. Auch die Art und Weise, wie im „La Leander“ serviert wird – burschikos, aber prompt, – ist im Trend, ebenso wie der Kuchen, eine einfache selbst gebackene Blech-Variante mit Aprikose und Apfel – unprätentiös, aber lecker. Das lockt auch viel Touristen-Volk aus Berlin an. Vor allem Männer-Paare, denn das „La Leander“ ist eine der wenigen Adressen für Schwule in Potsdam. Aber eben nicht nur für Schwule. Ehemals erfolgreiche Szenewirte aus Berlin sind da – um zu schauen, wie man eine trendbewusste und erfolgreiche Gastronomie aufbaut?

Beim Kaffee hätten wir einen Blick auf die Karte werfen sollen und vielleicht das Modell „Beatrix“ mit Eierlikör testen sollen. Haben wir aber nicht und stattdessen konventionelle Drinks (Milchkaffee mit schön festem Schaum und heißer Schokolade) zu uns genommen. Und dann noch eine Limo, natürlich eine Orangina und keine Fanta, oder andere Getränke aus dem Hause Coca Cola. Wir wissen schließlich, was wir dem Trend zum alten Europa schuldig sind. Den Kaffee Beatrix probieren wir dann beim nächsten Mal. Das kommt bestimmt sehr bald.

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