Berlin : Kurzmeldungen

-

ERINNERUNG AN DAS GEISELDRAMA VON GLADBECK

„Lieber tot sein als wie ohne Geld“, sagte Geiselgangster HansJürgen Rösner den Journalisten und schob sich vor laufender Kamera den Pistolenlauf in den Mund. Die Bilder der Bus-Entführung von Berlin rufen die Erinnerungen an die spektakulärste Geiselnahme der deutschen Kriminalgeschichte wach. Nach dem Überfall auf eine Sparkasse im westfälischen Gladbeck waren die Täter, der damals 31-jährige Rösner, dessen Freundin und sein Komplize, Dieter Degowski (32), am 16. August 1988 mit zwei Geiseln zu einer Irrfahrt quer durch die Republik aufgebrochen; gefolgt von einem Großaufgebot von Polizei und Journalisten. 54 Stunden hält die chaotische Flucht, die als Echtzeit-Krimi über die Bildschirme flimmert, die Fernsehnation in Atem. Am Ende zählt man drei Tote, darunter ein Polizist, der bei der Verfolgung verunglückte. Der Fall beschäftigte parlamentarische Untersuchungsausschüsse, kostete den Bremer Innensenator Bernd Meyer das Amt und löste eine Debatte über die Grenzen journalistischen Anstands aus.

In Bremen kaperten die Geiselnehmer einen Linienbus. Als Polizisten bei einem Zwischenstopp an der Raststätte Grundbergsee Rösners Freundin festnehmen, erschießt Degowski im Bus einen 15-jährigen Jungen. Die Täter fahren weiter nach Holland, steigen mit zwei jungen Frauen als Geiseln in einen BMW um. Die Flucht führt nach Köln. Mitten in der Fußgängerzone improvisieren die Gangster aus ihrem von Reportern und Fernsehteams umringten Auto heraus eine Pressekonferenz. Wenig später endet das Drama auf der Autobahn A 3 bei Bad Honnef – nach einem Ramm-Manöver der Polizei und einer Schießerei, bei der eine 18-jährige Geisel durch eine Kugel aus Rösners Waffe getötet wird. Beide Täter sitzen lebenslängliche Haftstrafen ab. wie

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben