Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Restaurant Felix, Behrenstraße 72, Mitte, Tel.: 20 62 860, geöffnet montags bis samstags ab 18 Uhr.

An guten Bars mangelt es dieser Stadt nicht (mehr), doch passable Schickeria-Etablissements sind eher selten. Wo kann man einen wunderbaren Planter’s Punch mit Zimt (!) genießen und gleichzeitig Sabine Christiansen, Udo Walz, Sabine Christiansens Hund und Rolf Eden observieren? Jetzt endlich ist es soweit. Das Felix im Hotel Adlon drängt sich als Kulisse für das drink-and-diva-watching geradezu auf. Folgen Sie mir bitte, die helle Treppe hinunter.

An der Garderobe warten gleich drei junge Damen in schwarzem Kostüm, um freundlichst lächelnd dem Gast den Mantel zu entwenden. Nach dieser Ablenkung kann dann das Gesamtkunstwerk betrachtet werden: Eine Freitreppe, die sich in zwei Flügel teilt, führt hinab zum Restaurant. Dort dominieren schlammfarbene Sitzmöbel und ein nüchtern-cremeweißer Grundton. Um diesen Tiefkühl-Patio zieht sich oben, auf der Ebene der Garderobe, der streng rechtwinklig abgezirkelte Barkomplex. Mit dem exzellenten Blick auf die speisende (s)upper class.

Die Beleuchtung wirkt streng und verstärkt das Art-déco-Ambiente. Vier weißstrahlende Glaspfeiler ragen bis zur Decke. In dieser schimmert blaues Neonlicht in dünnen Linien. Auch in den zwei langen, wuchtigen und im exakten 90-Grad-Winkel angeordneten Tresen leuchten die Auflagen kühl. Und die nighthawks können ihre Ellbogen auf Lederwülste stützen. Dieses Design ist schon ein Indiz für Bar-Verstand, gepaart mit einem Faible für den american style. Was kann da noch schief gehen? Nichts. Alles, wirklich alles, was drinking man und compañera an zwei Abenden zu sich nahmen, erschien gelungen. Sei es der Red Kiss (Champagner, brauner Rum, Cherry Brandy, Ananassaft), der Cosmopolitan (die bei ihrem favourite drink äußerst strenge compañera sagte gar nichts Böses), der Honolulu Juicer (brauner Rum, Southern Comfort, Ananas-, Zitronen- und Limonensaft plus Zucker), der schon erwähnte Zimt-Planter’s, der Ocean’s Eleven (Wodka, Midori Melonenlikör, Blue Curaçao, Limonen- und Orangensaft), der – puuh, stopp. Eigentlich reicht’s. Aber, um ehrlich zu sein, die compañera hat auch noch zwei Virgin Drinks probiert, den Havanna Surf Club (Orangen-, Ananas-, Grapefruit- und Zitronensaft, Vanille-Sirup, Grenadine) und den Vitamin Shock (der Name sagt alles). Nur um hinterher sagen zu können, dass kein Makel zu entdecken war.

Der Keeper soll übrigens ein griechischer „World Champion“ sein, namens Iraklis Hercules Tsibis. Wer so heißt, braucht eigentlich nicht mehr zu arbeiten, oder? Es sei denn, man verschreibt sich dem hehren Ziel, die Cocktailkultur der deutschen Hauptstadt um ein paar Basispunkte zu heben. Das scheint zu gelingen. Der drinking man hat seit langem mal wieder gestaunt. Frank Jansen

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