Berlin : Kurzmeldungen

Außen hui, innen pfui: In Bellevue soll nicht länger der Strom ausfallen

Holger Wild

Eine Majestät im Dunkeln – nein, das ist nicht schön. Aber alles schon passiert im Schloss Bellevue. Es war wohl beim Festbankett für den König von Norwegen, erinnert sich ein Mitarbeiter des Bundespräsidialamtes, als plötzlich die Lichter ausgingen. „Zum Glück standen überall Kerzen herum.“

Aber ein Zustand ist das ja nicht. Stromausfälle oder -schwankungen, eine marode Heizungsanlage, Feuchtigkeit und zum Teil stehendes Wasser im Keller. Schloss Bellevue muss dringend renoviert werden. Als „Bruchbude“, wie sich der frühere Bundespräsident Roman Herzog einmal volkstümlich ausdrückte, möchte die Präsidialverwaltung das Schloss zwar nicht gerade bezichtigen – aber so wie es ist, könne es eben nicht bleiben. Und nachdem nun mit dem Schloss Schönhausen ein Ausweichquartier für die protokollarischen Pflichten des Staatsoberhaupts gefunden ist – mehr als 200 Veranstaltungen finden jährlich im Präsidentensitz statt –, soll in der Sommerpause 2004 die Grundinstandsetzung des Ende des 18. Jahrhunderts errichteten, im Krieg zerstörten, dann wieder auf- und Mitte der 80er umgebauten Schlosses beginnen. 9,5 Millionen Euro sind für die Bauarbeiten eingeplant und zum Teil schon ausgegeben: Der – zur Spree gelegene – Nordflügel wird schon seit Herbst renoviert. In drei Wochen soll er wieder genutzt werden können.

Doch die ursprüngliche Annahme, man könne wie den Nordflügel das ganze Schloss bei laufendem Betrieb auf Vordermann bringen, hat sich bereits als zu optimistisch herausgestellt. So zeigte sich, dass das Schloss nicht einmal ein richtiges Fundament hat, sondern „auf einigen Feldsteinen steht“, wie es im Präsidialamt heißt. Es sei im Grunde überraschend, dass es überhaupt noch steht. Nun wurde zur Fundamentierung Beton in den Boden gespritzt. Vor allem muss die gesamte Haustechnik aus- und neu wieder eingebaut werden. Nicht nur der Strom, auch die Heizung fällt gelegentlich aus, manchmal gibt’s nur kaltes Wasser, das Dach ist nicht wärmegedämmt, die Brandschutzvorrichtungen weit vom heutigen Standard entfernt.

Schließlich: die klimatischen Verhältnisse im Schloss. Lediglich eine Lüftungsanlage bringt im Sommer Kühlung. Gravierender aber ist das Fehlen einer Luftbefeuchtungsanlage: Wird die Luft zu trocken, leiden nicht nur die zahlreichen Gemälde im Schloss, sondern auch die Parkettböden. Eine regelrechte Klimaanlage aber wird Bellevue nicht erhalten; Kostengründe sprechen dagegen, doch vor allem der Denkmalschutz: Die Mauern des Schlosses sind nicht stark genug, um die nötigen Installationen darin zu verbergen.

Und einen höheren Wohnkomfort werden auch die anderthalb Jahren der Renovierung nicht erbringen: Ganz einfach, weil es keine Präsidentenwohnung mehr geben wird. Anders als Roman Herzog, lebt ja schon Bundespräsident Johannes Rau nicht in diesem Haus – der Kinder wegen. Aber selbst einem alleinstehenden Nachfolger könnten die Räume nicht mehr als präsidiale Wohnung zugemutet werden, meint man im Präsidialamt. Doch mindestens bis 2006 steht dem Staatsoberhaupt ja die Villa des Bundestagspräsidenten zur Verfügung – Wolfgang Thierse wohnt bekanntlich lieber im Prenzlauer Berg.

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