Berlin : Kurzmeldungen

Christian van Lessen

„Glaskröselputz“, sagt Peter Tiedt und streicht vorsichtig über die Fassade. „So wie er klingt, so ist er auch“. Der graue Putz, zu DDR-Zeiten angebracht, ist rauer als Sandpapier, er piekt beim Rüberstreichen wie ein Nadelkissen. Der ehemalige FDP-Abgeordnete hatte sich fast schon mal die Hand aufgerissen. Er ist eine Art Schlossverwalter, zuständig für „Sonderobjekte“ beim städtischen Liegenschaftsfonds. Schloss Schönhausen ist neben dem Metropol-Theater eines der beiden Sonderobjekte. Es wird dem Bund wohl unentgeltlich überlassen werden, damit der Bundespräsident dort für anderthalb Jahre residieren kann, während Bellevue renoviert wird. Die hässliche Fassade, die ohnehin bröckelt, müsste bis dahin dringend erneuert werden. Rund eine Million Euro könne das kosten, eine Untersuchung soll jetzt klären, was unbedingt saniert werden muss. Schon vor einigen Jahren waren, noch zu Zeiten des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen, für die Fassade zwei Millionen Mark kalkuliert worden. Das Geld, fast schon bewilligt, blieb dann aber irgendwo hängen.

Ist der äußerliche Eindruck des Schlosses, als Gästehaus der DDR genutzt, auch bescheiden, so ist das Innere von beeindruckender barocker Schönheit. Das Schloss, in seiner heutigen Form vom Alten Fritz ausgebaut, ist deutlich kleiner als Bellevue, reicht aber mit insgesamt 15 Räumen in zwei nutzbaren Etagen für – fast – alle protokollarischen Erfordernisse aus. Nur wenn mehr als 120 Personen an Festtafeln platziert werden müssen, dann müsste dafür ein Ausweichort gefunden werden. Das gegenwärtige Mobiliar des Schlosses – das die Ost-Berliner Behörden weitgehend nachbauen ließen – soll großenteils durch die Ausstattung des Schlosses Bellevue ersetzt werden. Die originalen marmornen Kaminsimse aber und die goldbeschichteten Bilderrahmen werden das Ihrige zur Atmosphäre der Empfänge beitragen. Einer der schönsten Räume ist die Zederngalerie, bis auf eine Wand im Original erhalten, und so schön, dass er nach Ansicht von Schloss-Experten höchsten zweimal im Jahr genutzt werden sollte. Der Spiegelsaal im ersten Stock eignet sich für größere Empfänge, hier steht auch ein grünes Sofa, auf dem einst Erich Honecker mit Staatsgästen Platz nahm. DDR-Präsident Wilhelm Pieck ließ zwei Fenster hinter seinem Schreibtisch zubauen, äußerlich sind sie noch zu sehen. Es gibt zwei Appartements, Fidel Castro war beispielsweise hier zu Besuch, der Legende nach soll er hier einmal heimlich ausgerückt sein, um in Pankow einzukaufen. Und der Ehefrau des ehemaligen russischen Partei- und Staatschefs Leonid Breschnew wird nachgesagt, auf ihr Drängen sei eines der beiden oberen Badezimmer mit lila Fliesen ausgestattet worden.

Was aber ist mit dem Park? Die Pankower Bürger nutzen ihn bekanntlich gerne zum Spazierengehen, auch als Abkürzung durch ihren Bezirk. Und, so verspricht das Präsidialamt, das sollen sie nach Möglichkeit auch weiterhin dürfen. Nur ein Umkreis von rund 100 Metern um das Schloss soll – vermutlich durch einen neuen Zaun – abgesperrt werden; der Rest des Parks der Bevölkerung offen stehen.

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