Berlin : Kurzmeldungen

Werner Schmidt

PRO

Unter dem Schlagwort „Deeskalation“ hat die Polizei in den vergangenen 16 Jahren immer wieder am 1. Mai ein neues Experiment unternommen. Die „Deeskalationsstrategie“ von Innensenator Pätzoldt bescherte der Stadt 1989 die bisher schwersten Mai-Krawalle, und auch unter Innensenator Ehrhart Körting konnten sich dieses Jahr die Gewalttäter austoben: Seit Jahren gab es keine derart hohe Zahl an angezündeten Autos. In ganzen Straßenzügen konnten die Chaoten ungestört Müllcontainer auf die Straße schleppen, Autos umkippen, Barrikaden errichten. Fast eine Stunde lang vergnügten sie sich am Seat-Autohaus an der Mariannenstraße, und die Polizei sah aus sicherer Entfernung zu. Ähnlichkeiten zu den Mai-Krawallen 1989 drängen sich auf: Auch damals knallte es jeweils an den Stellen, an denen die Polizei nicht zu sehen war. Fast scheint es, als sollten dieses Jahr Probleme beim Einsatz oder mangelnde Professionalität – egal ob von polizeilicher oder politischer Seite - hinter dem Begriff „Deeskalation“ verborgen werden. Die Gewalttäter, das zeigen 16 Jahre Erfahrung mit dem 1. Mai, pfeifen auf Deeskalation. Deshalb wird es Zeit, dass die Polizei das tut, wofür sie da ist: Die Menschen und deren Eigentum schützen. Dazu muss auch mal der Schlagstock gezogen werden. Und zwar sofort - nicht erst Stunden später. Gewalttäter müssen wissen, dass die Antwort auf Gewalt von ihnen Gewalt gegen sie sein wird. Von der Polizei wird dabei Augenmaß verlangt: Unbeteiligte müssen ungeschoren bleiben. Die Zeiten, in denen uniformierte Spezialeinheiten alles niederknüppelten, was sich ihnen in den Weg stellte, sind ohnehin vorbei.

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