Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

X-Bar, Raumerstraße 17 A in Prenzlauer Berg, Telefonnummer: 44 34 904, geöffnet täglich ab 18 Uhr

Es hat ja lange gedauert, bis zunehmend mehr Berliner endlich aus dem Biernebel herausfanden. Mitte der 90er Jahre begann das große Cocktail-Coming-Out, inzwischen kann man längst von einer Massenbewegung sprechen. Aber was ist aus den Pionieren geworden? Vor ziemlich genau acht Jahren hat der drinking man die X-Bar in Prenzlauer Berg aufgesucht, kurz nach ihrer Eröffnung. Das Lokal wirkte angenehm, auch wenn der Hang zu bananig-süßen Cocktails ein wenig übertrieben schien. Und der Barkeeper in seiner wilden Schüttellust dem Trenchcoat des drinking man ein markantes Fleckenmuster bescherte. Aber wie viel Leidenschaft und Süße prägen die X-Bar heute?

Das Interieur wirkt immer noch gedämpft. Warme Farben dominieren den Schlauch, das mitteljunge Publikum sitzt an dunklen Holztischen oder an dem unauffälligen Tresen. Der Boxen-Sound klingt nach Massengeschmack, die Servierdamen sind freundlich und scheinen dem Kiez zu entstammen. Weiter hinten werkelt jetzt ein Sushi-Koch. Der kann’s: Die überraschend opulenten Sushi–Kombinationen waren vorzüglich (Sake! Maguro! Ikura!). Und die Drinks?

Die compañera bekam einen Tropical Iced Tea (Weißer Rum, Wodka, Triple Sec, Gin, Preiselbeersirup, Zitrone, Ananas), der gut schmeckte, aber weniger wuchtig wirkte als die aufgeführten Substanzen vermuten lassen. Der Gin Tai des drinking man war passabel, der Planter’s Punch auch. Sehr angetan zeigte sich die compañera vom alkoholfreien Strawberry Dream (frisches Erdbeerpüree, Vanille, Kokos, Sahne, Ananassaft), der sie sanft und süß auf den kommenden Nachtschlummer einstimmte.

Geschüttelt hat übrigens derselbe Keeper wie vor acht Jahren. Aber der drinking man kam ohne Trenchcoat (ist auch unmodern) und setzte sich mit der compañera an einen Tisch in fleckensicherer Distanz zur Theke. Allerdings konnte selbst bei strengster Beobachtung kein fliegender Cocktail gesichtet werden. Hat die Leidenschaft im Laufe der Jahre ein wenig nachgelassen? Und überhaupt: Wohin hat sich die Dominanz bananiger Süße verflüchtigt? Ach ja. Irgendwann sind sie verschwunden, die neckischen Eigenheiten der X-Bar. Aber x-beliebig ist sie nicht: Die in acht Jahren erworbene Professionalität und der weiterhin hohe Kiezfaktor und dann noch der Sushi-Service zeugen auch von Charakter. Und solider Distanz zum Biernebel.

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