Berlin : Kurzmeldungen

Holger Wild

CONTRA

Nein, die Randale konnte auch die Polizei-Taktik von „Gefühl und Härte“ am 1. Mai nicht verhindern. Dennoch war sie auf eine ziemlich überraschende Weise erfolgreich: Dem Innensenator und der Polizeiführung gelang es zum ersten Mal, die scheinbar zwanghafte Wechselwirkung von „Revolutionärer Demo“, massiver Polizeipräsenz und Krawall aufzubrechen. Das Zerstören geparkter Kleinwagen kann ja auch vom vernageltesten Linksradikalen nicht glaubhaft als Angriff aufs „Schweinesystem“ gerechtfertigt werden. Deshalb hieß es von interessierter Seite zuletzt immer, Provokationen der Polizei hätten die Straßenschlacht ausgelöst. Das war zwar meistens scheinheilig – in manchen Jahren aber auch kein komplett abstruser Unsinn. Bis auf diesmal; und es gingen denn die Demonstrationen auch friedlich zu Ende. Das Überraschende war nun nicht, dass es später dennoch Krawall gab. Sondern dass dabei offenbar kaum Autonome mitmischten – und ihn vor allem nicht anzettelten. Die Gewalt ging zum ersten Mal von denen aus, die sich bisher nur angeschlossen hatten: den so genannten „erlebnisorientierten Jugendlichen“. Das meint Innensenator Ehrhart Körting, wenn er von einer „neuen Qualität“ – nämlich nicht Quantität – der Gewalt spricht. Keine Frage, dass dies nicht zu dulden ist. Doch die Aussichten sind gar nicht so schlecht: Eben weil diese Krawalle auch nicht den letzten Anstrich einer „politischen Handlung“ mehr haben. Und deshalb weder mit einem ausgesprochenen noch stillschweigenden Einverständnis rechnen können. Eine sympathisierende Menge, die Deckung geben könnte, gibt es nicht mehr. Das war früher anders.

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