Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Finanzsenator Sarrazin hat ganz zufällig eine neue Geldquelle entdeckt. Und das kam so: Ein Besucher beschwerte sich bei ihm, dass direkt vor der Finanzverwaltung in der Klosterstraße die Parkautomaten defekt seien. „Das ist schlecht", sagte da der Senator, weil er sogleich unnötige Mindereinnahmen befürchtete. Nein, nein, sagte der Besucher, Geld nähmen die Automaten wohl noch an, nur Parkscheine rückten sie nicht mehr raus. „Ah, das ist gut!" sagte da der Senator, „das ist sogar sehr gut". Aber nicht, dass jetzt jemand denkt, Sarrazin hätte sofort seinen Kollegen Innensenator gebeten, ein Spezialeinsatzkommando Politessen zum doppelten Abkassieren zu schicken. Nein, es geht ihm doch ehrlich nur ums gesparte Papier! Und falls doch mal ein Knöllchen hinterm Wischer steckt, ist das bestimmt nur ein ganz dummer Zufall.

Eine Konservative ist sie, die CDU-Politikerin Hanna-Renate Laurien. Und eine mit Haaren auf den Zähnen. Ihren schlagfertigen Witz hatte „ Hanna-Granate“ aber schon vor ihrer Zeit als Berliner Politikerin – wie am Sonntag auf dem gemeinsamen Empfang von Parlamentspräsident Walter Momper und der CDU-Fraktion anlässlich ihres 75. Geburtstags zu hören war. Geladen war auch ZDF-Intendant Markus Schächter, der den übrigen Gästen eine „typische Anekdote“ erzählte. In den siebziger Jahren war Markus Schächter zu Lauriens Zeit als Kultusministerin von Rheinland-Pfalz ihr erster Pressereferent. Als deutsche Vertreterin flog Frau Laurien zu einer internationalen Konferenz nach Mexiko. Kurz vor der Landung kam die Durchsage des Piloten, dass von vier Düsen leider eine ausgefallen sei. Aber das sei alles kein Problem: Immerhin seien vier Bischöfe mit an Bord. Und die hätten sozusagen den „direkten Draht zum Himmel“. Daraufhin bat Frau Laurien die Stewardess zu sich und sagte zu ihr: „Ehrlich gesagt wäre es mir lieber, wenn es hier nur drei Bischöfe, aber dafür vier funktionsfähige Düsen geben würde. Ich hab’ da unten nämlich noch was zu tun.“

Zum „Girls’ Day“ am Donnerstag hatte zum ersten Mal auch das Berliner Abgeordnetenhaus 200 Schülerinnen eingeladen. Die Mädchen besuchten auch die einzelnen Fraktionen. SPD-Pressesprecher Peter Stadtmüller erzählte den jungen Damen, wie man richtig mit Journalisten verfährt: Anlügen dürfe man sie nicht, aber alles sagen müsse man auch nicht. Daraufhin eine Schülerin: „Also, das find’ ich ja richtig doll. Ich dachte, in der Politik wird sowieso immer gelogen.“

Seit Donnerstag, dem Tag eins nach der Ankündigung von Gabi Zimmer, als Parteichefin nicht mehr zu kandidieren, trägt Berlins PDS-Landeschef Stefan Liebich nun auch noch eine Brille. Jetzt muss er Hohn und Spott ertragen: Brille, die bittere Erkenntnis, kurzsichtig zu sein – und noch dazu niemand in Sicht, der die PDS aus der Krise führt.

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