Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Was tun, wenn 200 Studenten vor dem Roten Rathaus stehen und „Klaus komm raus!“ skandieren? Klaus jedenfalls, der kam nicht raus. Er war an besagtem Mittwoch auf der Konferenz des Städtetages. Also musste Senatssprecher Michael Donnermeyer ran und seinen Chef vertreten. Vor dem Rathaus begrüßte ihn die Schar mit der Frage, ob er früher auch nutzlose Fächer studiert habe. Das war natürlich eine Stichelei gegen den Finanzsenator. Thilo Sarrazin hatte in dieser Woche die geballte Wut der Wissenschaft auf sich geladen, als er die These aufstellte, man solle nur noch relevante Studiengänge finanzieren, die für Berlin als Wirtschaftsstandort wichtig seien. Wahrheitsgemäß antwortete Michael Donnermeyer: „Ja, Germanistik und Geschichte.“ Was der Senatssprecher verschwieg: In den achtziger Jahren war er stellvertretender Asta-Vorsitzender der Universität Münster und organisierte Demonstrationen gegen Kürzungen im Bildungsbereich. Wie die Zeiten sich ändern . . .

Rot-roter Eintopf: „Die Roten kochen“ heißt eine Veranstaltungsreihe des PDS-Bezirksverbands Pankow in der Weißenseer Brotfabrik. An diesen Abenden kochen keine linkssektiererischen Grüppchen ihr Süppchen, sondern es wird über die politische Wetterlage debattiert. Zuletzt lud Gernot Klemm, Abgeordneter und PDS-Bezirksvorsitzender, SPD-Landeschef Peter Strieder ein. Während Klemm Rollmops an Meerrettichsauce zubereitete, zeigte Peter Strieder, wie man einen Rucolasalat mit Finesse anrichtet. In dieser Runde äußerte der Sozialist seine Sorge über den inneren Zustand der SPD, und der Sozialdemokrat Strieder konterte: „Wir haben wenigstens noch einen Vorsitzenden, der zurücktreten kann.“

Grünen-Kulturpolitikerin Alice Ströver mag keine Handys. Schon gar nicht solche, die während Theater- und Opernaufführungen nervtötend klingeln und der schönen Muse ins Handwerk pfuschen. In diesem Jahr brachten die Grünen einen Antrag zum Handy-Verbot in kulturellen Spielstätten ins Parlament ein, der aber abgelehnt wurde. Als die Vorsitzende des Kulturausschusses nun mit einer Delegation ein paar Tage auf Bildungsreise nach Graz und Wien fuhr, bekam Alice Ströver ein sehr persönliches Verhältnis zu den Mobiltelefonen. Permanent hätten die Handys ihrer CDU-Kollegen nach dem Rücktritt von Frank Steffel am Sonntagabend geklingelt – während der Pause der Operninszenierung „Orpheus in der Unterwelt“. Und dass die CDU-Parlamentarier danach den telefonischen Kontakt zu den daheim gebliebenen Parteifreunden sehr intensiv gepflegt hätten, ja, das habe sie natürlich verstanden. Jetzt könne sie immerhin jeden Handyton dem jeweiligen CDU-Politiker zuordnen. Sie habe sogar etwas Mitgefühl für ihre CDU-Kollegen entwickelt und Verständnis gezeigt, dass den politisch so Gebeutelten öfter der Sinn nach Caféhäusern als nach offiziellen Terminen stand. Doch jetzt möchte Frau Ströver auch etwas für ihre Großherzigkeit zurück. Sie geht fest davon aus, dass ein neuer Handy-Verbots-Antrag im Abgeordnetenhaus eine klare Mehrheit finden wird.

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