Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Trader Vic’s Mai Tai Bar, Hilton Hotel, Mohrenstraße 30, Mitte, Tel.: 20 23 46 05, geöffnet täglich ab 17 Uhr.

Auf der Osterinsel stehen bekanntlich seltsame Figuren herum, die vergrübelt wirken. Sie sehen nicht nach lebenslustigen Trinkmenschen aus. Eher nach missmutigen Türstehern vor einer südseeseligen Cocktailbar. Der Großkopf im Erdgeschoss des Hilton Hotels wirkt so, als sortiere er mit magischen Kräften aus. Denn wer an ihm vorbeigeht, muss zahlreiche Stufen ins Souterrain überwinden, um in die Mai-Tai-Bar zu gelangen. Nicht ganz ungefährlich, sollte der stumme Osterinsulaner Antipathien entwickeln. Drinking man und compañera erreichten sturzlos das Kellerlokal.

Der Anblick ist schön, auch wenn Südsee-Ambiente unter der Erde etwas unnatürlich erscheint. Doch jegliche Bedenken waren wie weggehaucht, als eine ungemein zerbrechliche und noch höflichere Vietnamesin sofort die Betreuung übernahm. Die Dame mit dem langen, an beiden Beinen seitlich hochgeschlitzten Kleid bugsierte das drinking couple zu einem runden Tisch mit dicker, an den Rändern welliger Holzplatte. Mittendrin im Paradies. Von der blau schimmernden Decke baumeln Fischfangkörbe, Netze mit Glaskugeln, allerlei fernöstlich beschriftetes Leergut und sogar ein ganzer Kahn herab. Über den dicken Teppich mit Palmenmotiven schreiten unentwegt die exotisch gewandeten Damen, selbst wenn wenig los ist. An dem warm-hölzernen Tresen shaken junge Hawaiihemdherren bunte Drinks. Bis auf wenige Ausnahmen vermutlich alle auf Rum-Basis. In der Karte werden kaum Ingredienzen genannt. Let’s taste.

Der Trader Vic’s Own Punch überzeugte mit einem fruchtig-frischen Aroma. Vermutlich ganz nach dem Geschmack von Trader Vic, dem grand old founder der gleichnamigen Restaurant- und Bar-Kette. Der Mai Tai, in diesem Lokal natürlich zwingend, schmeckte sehr süß, ohne penetrant zu wirken. Die compañera hatte jedenfalls nichts zu beanstanden, was ja fast schon göttlichem Segen gleichkommt. Der Tonga Punch hingegen war etwas zu bitter geraten. Wiederum anstandslos führte die compañera den alkoholfreien Fruit Punch Queen Charlotte zu sich, einen recht üppigen Fruchtsaftmix.

Anschließend wechselte die Co-Thekentesterin, gegen ihre sonstigen Gewohnheiten, nochmal zum Alkohol. Der Peachtree Punch war aber auch als Abschluss unschlagbar: Ein ungemein süffiger Cocktail, präsentiert mit reichlich Pfirsichstückchen in einem majestätischen Pokal. Der drinking man hatte weniger Glück: Sein Rum Cosmo war wie schon der Tonga Punch zu bitter. Die dicke Ananasscheibe und die so viel Süße verströmende Servierdame vermochten jeden Unmut sanft zu verscheuchen.

Irgendwann löste ein Latinopaar mit Akustikgitarre und Rassel temperamentvoll den gedämpften Boxensound ab. Nach einer nicht mehr nachzurechnenden Stundenzahl schwebte das drinking couple die Stufen zum Ausgang hoch, vorbei am schweigenden Cocktailgott der Osterinsel.

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