Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

Die Sozialdemokratie ist älter als der deutsche Fußball. Mit dem Allgemeinen Deutsche Arbeiterverein war es schon wieder vorbei, als sich in Hannover 1878 die ersten Kicker im Verein zusammenfanden. Drei Jahre zuvor war das verwegene Häuflein um Ferdinand Lassalle – 1863 in Leipzig gegründet – mit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands verschmolzen. Parteitage am Wochenende litten damals noch nicht unter dem starken Drang der Delegierten, rechtzeitig zu Hause zu sein, um sich dem Spieltag der Bundesliga zu widmen. Aber die Zeiten änderten sich. Wenn die alte Tante SPD heute im Willy-Brandt-Haus ihr 140-jähriges Bestehen feiert, wird nach dem Vortrag von Franz Müntefering zur Gerechtigkeit zwischen den Generationen pünktlich um 17 Uhr der Fernseher angeschaltet. Auf großer Leinwand ist der letzte Spieltag zu erleben, damit alle wissen, wer absteigt. Ach SPD, was haste dir verändert …

Reisen macht lustig. Der FDP-Abgeordnete Alexander Ritzmann, zuständig für die innere Sicherheit, war kürzlich in Tunesien unterwegs. Ganz privat, mit Freundin. Wer in dieser Gegend, zwischen Wüste und Meer, Urlaub macht, stößt irgendwann zwangsläufig auf eine Herde touristenfreundlicher Kamele. Also schaukelte auch Ritzmann durch den Wüstensand, eingeklemmt zwischen zwei gepolsterten Höckern. Die Lebensgefährtin war neugierig: „Wie heißt denn das Kamel?“ Alex, sagte der Führer. In Anlehnung an Alexander den Großen, der auch schon in Tunesien war. Da mussten alle lachen: Alexander, der Liberale auf Alex, dem Wüstenschiff. Mit Kamelen treibt man in unseren Breiten ja gern ein Späßchen.

Nicht nur das Land Berlin hat ein Finanzproblem. Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christoph Böhr schimpfte im Landtag wie ein Rohrspatz auf den sozialdemokratischen Finanzminister Gernot Mittler. Der betreibe kreative Buchführung und sei auch noch stolz darauf, sich mit ständig neuen Schulden Luft zu verschaffen. „Wir reden oft über die Frage, ob wir ein Einnahmenproblem oder ein Ausgabenproblem haben“. Das kommt uns irgendwie bekannt vor, und es dürfte kein Zufall sein, dass dem guten Böhr genau an dieser Stelle seiner Philippika der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin einfiel. Der war bis 1997 Staatssekretär im Mainzer Finanzministerium. Jetzt, da Sarrazin in Berlin einen neuen Hut trage, mache er sich bemerkenswerte Gedanken über die Staatsausgaben. In Rheinland-Pfalz sei das in den letzten zehn Jahren „immer tabu“ gewesen, verriet Böhr.

Als der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit nach München reiste, wo Berlin als Endspielort für die Fußball-WM 2006 nominiert wurde, kam er natürlich mit Oberbürgermeister Christian Uhde ins Gespräch. Der erzählte ihm launig, dass er bei der Meisterfeier für die Bayern ausgepfiffen wurde, weil er Fan von 1860 München sei. Darüber konnte Wowereit nur staunen. Bei der Meisterfeier für einen Berliner Fußballverein ausgepfiffen zu werden – da wäre er schon froh.

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