Berlin : Kurzmeldungen

Zwei Jahre nach dem Tod von Hannelore Kohl gab es wieder eine Goldberg-Gala, bei der die Gäste Erinnerungen austauschten und ihr gutes Werk fortsetzten Zurück in die Neunziger

Elisabeth Binder

Zwei Jahre nach ihrem Tod war sie plötzlich wieder da. Lächelte groß von den Plakatwänden, Hannelore Kohl als leicht verklärtes Glamour-Porträt, wie es vor allem bunte Blätter für Frauen gerne drucken. Am Samstagabend gab es dann in den weitläufigen historischen Räumen der Telekomrepräsentanz auch eine Wiederaufnahme der Goldberg-Gala, die untrennbar mit Hannelore Kohl verbunden war. Zum 12. Mal wurde für das Kuratorium ZNS für Unfallverletzte mit Schaden am Zentralen Nervensystem gesammelt. 102 500 Euro standen auf dem Scheck, den Juwelier David Goldberg am Ende der neuen Präsidentin Ute Ohoven übergab. Von den jeweils 350 Euro, die etwa 200 Gäste für den Abend gezahlt hatten, gingen 250 Euro an den guten Zweck.

Zwar gibt es noch keinen Trend für 90er Jahre Retro-Events, aber diese Gala hätte man stilistisch gut als Vorhut betrachten können. Zum Hauptgang hatte das Interconti-Catering-Team ein historisches Rezept für Pfälzer Saumagen ausgegraben. Unter den Gästen Klaus Landowsky, Georg Gafron, der Arzt Djawad Moshiri, Hera Lind, Susanne Juhnke, Jack White, Jochen und Mania Feilcke. Und natürlich war der der Ehrenpräsident des Kuratoriums ZNS gekommen, Doktor Helmut Kohl, wie die Redner ihn immer wieder formvollendet ansprachen, wenn sie nicht gleich „Herr Bundeskanzler“ sagten, was protokollarisch korrekt ist, auch wenn es in diesem Jahrtausend ein bisschen komisch klingt. Immerhin kamen die Gäste so in den Genuss einer Ansprache in jener fast vergessenen typischen Klangfarbe, die 16 Jahre lang in den Rundfunknachrichten omnipräsent war.

Kohl erinnerte sich an die Frau, die in seinen jungen Jahren als Ministerpräsident „eine ungewöhnlich gut anzuschauende Landesmutter war“, was ihr viele Chancen eröffnet habe. Seine Frau habe Sozialwissenschaft nicht studiert, sondern sie im Herzen gehabt. In ihrem Namen forderte er zu großzügigen Spenden auf und polterte noch ein bisschen gegen „das Geschwätz vom Weltuntergang“, das hoch gehandelt und hoch bezahlt werde: „Deutschland ist unser Vaterland, wir haben nicht den geringsten Grund zum Pessimismus.“

Ute Ohoven schilderte dann in schrecklichen Farben, wie jeder jederzeit durch einen Unfall vom Schädel-Hirn-Trauma betroffen und zum Vollpflegefall werden könne; jedes Jahr seien es 300 000 Menschen, davon die Hälfte unter 25 Jahren. Ihren speziellen Dank richtet sie an die Vorgängerin „Dr. med. h.c. Hannelore Kohl“, die unendlich viel getan habe, um die Situation der Unfallopfer zu verbessern.

Natürlich bestimmten Erinnerungen den Abend mit der viel gelobten Hintergrundmusik von Vladimir Sculer und Band. Hotelmanager Willy Weiland erinnerte an die Energie von Frau Kohl, an ihre Intensität. Immer wieder kam auch ihre Herzlichkeit zur Sprache. Und David Goldberg, der solche Abende nicht veranstalten könnte, wenn er nicht auch ein harter Geschäftsmann wäre, bekam ganz weiche Augen bei der Erinnerung. „Mit der konnte man so richtig Berliner Schnauze reden“, und fügte, halb schon zum Gehen gedreht, noch hinzu. „War’n Mensch.“

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