Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

In Selbstfindungsphasen probiert man vieles aus und überschreitet so manch bisherige Grenze. In so einer Phase steckt die Berliner CDU. Das äußert sich bei jedem Unionspolitiker anders. Der CDU-Abgeordnete Karl-Georg Wellmann zum Beispiel entpuppt sich als tabuloser Grenzgänger. Auf einer kulturpolitischen Bildungsreise mit anderen Abgeordneten nach Österreich „bandelte“ er erst mit der PDS an, um dann sein Faible für die Grünen zu entdecken. Wie das? In Graz verbündete sich Wellmann mit der PDS-Parlamentarierin Gabriele Hiller zu einer Jogging-Gemeinschaft. Das sportliche Duo hörte deshalb viele Frotzeleien über „schwarz-rot-rote“ Optionen. Und in Wien kamen sich Wellmann und Grünen-Verkehrsexperte Michael Cramer näher: Beide nutzen aus Überzeugung öffentliche Verkehrsmittel. Nun liebäugeln einige Politiker immer mal wieder mit Schwarz-Grün. Doch Cramer winkt vehement ab. Wellmann vertrete zwar Grünen-Positionen. Aber das bitte nur in der Verkehrspolitik. Herr Wellmann muss sich also neu umschauen. Wie wär’s denn mit der FDP?

Durch die Berliner Liberalen kam SPD-Pressesprecher Peter Stadtmüller stark ins Grübeln. In einer Pressemitteilung forderte FDP-Fraktionschef Martin Lindner ein Ende des „dickbräsigen Regierungsstils“. Was das sein soll, fragte Herr Stadtmüller nach. FDP-Pressesprecherin Christina Vardakis erklärte ihm, dickbräsig sei eine „Mischung aus schwerfällig und dickfellig“. Nein, konterte Stadtmüller, damit könne auf keinen Fall der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gemeint sein – weder „figürlich noch typologisch“.

Grünen-Landesgeschäftsführerin Kirsten Böttner machte auf dem CDU-Parteitag eine besondere Erfahrung. Verdutzt berichtete sie ihrem Vorstand, dass Landesdelegiertenkonferenzen – so nennen die Grünen ihre Parteitage – durchaus noch zu toppen sind. Auf denen bricht oft das pure Chaos aus. Was die Grünen von der CDU aber unterscheidet, seien die „wenig stilvollen Ansprachen“ von CDU-Politikern, so Frau Böttner. Dafür können die Grünen tagelang ohne konkretes Ergebnis diskutieren.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben