Berlin : Kurzmeldungen

Beim SPD-Parteitag darf nichts schief gehen. In kurzer Zeit gibt es viel zu bereden. Ein Ausblick

Sabine Beikler

Nüchternes weißes Licht, blauer Hintergrund und auf der rechten Seite ein rotes Podest, auf dem das milchig-weiße Rednerpult steht. Daneben wird in der ersten Reihe die SPD-Spitze sitzen: Schröder rechts außen, dann Scholz, Wieczorek-Zeul, Thierse und so weiter. Weit hat es der Kanzler am Sonntag auf dem Sonderparteitag der SPD nicht, wenn er in drei Schritten zum Pult treten wird, die Genossen auf die Notwendigkeit von Reformen einschwören und mit dem Blick nach vorn auch ein „neues Denken“ einfordern will.

Die 528 Delegierten können den Leitspruch gar nicht übersehen: In großen Lettern prangt der Leitspruch „Agenda 2010 – Mut zur Veränderung“ im Hintergrund der Estrel Convention Hall, größter Saal im Neuköllner Estrel-Hotel und Austragungsort vieler Boxkämpfe. Hier werden sich Schröder und die Parteilinken in den Ring werfen. Worauf die Genossen zwischen den Runden allerdings verzichten müssen, sind ein buntes Programm und laute Musik.

Die SPD will einen themenorientierten Parteitag, sachlich, nüchtern mit wenig Drumherum. Die Zeit ist knapp: Um 10.30 Uhr eröffnet Wolfgang Thierse den Parteitag, um 11.15 Uhr wird der Bundeskanzler eine Stunde lang vor den Delegierten sprechen. Gegen 13 Uhr wird Fraktionschef Franz Müntefering den Bericht der Antragskommission vortragen: Acht Vorschläge hat das Gremium ausgewählt und zur Abstimmung empfohlen. Die anschließende Debatte ist auf drei Stunden angesetzt. Und dann muss die Abstimmung auch wie am Schnürchen klappen: Gerhard Schröder fliegt um 17 Uhr weiter zum G-8-Gipfel nach Evian.

Es darf nichts schief gehen auf dem Parteitag: Dafür wird auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sorgen. Er ist ein „alter Hase“, kennt das Auf und Ab auf Parteitagen und kann erhitzte Gemüter schnell beruhigen. Die Delegierten werden das Reformpaket wohl verabschieden. Doch einige werden mit einem mulmigen Gefühl nach Hause fahren: wissend, dass es mit der Verabschiedung der Agenda noch nicht getan ist.

Schröder kann auf die Stimmen der 14 Berliner Delegierten zählen. Und um auf Nummer sicher zu gehen, werde man kurz vor Beginn des Parteitags noch mal mit den Delegierten sprechen, sagt Berlins SPD-Landesgeschäftsführer Ralf Wieland.

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