Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Bar Nou, Bergmannstraße 104, Kreuzberg; Tel.: 74073050.

Geöffnet täglich ab 20 Uhr

Es ist schon beinahe peinlich, ständig ein hohes Lied auf Kreuzberg singen zu müssen. Die Zahl der guten Cocktail-Bars nimmt seit etwa anderthalb Jahren zu. Die wenigen „alten“ Lokale wie der „Würgeengel“ und das „Dos Piranhas“, die lange als exotische Fremdkörper galten, erhalten laufend Zuwachs. Da wären zum Beispiel die Bellmann Bar, das No. 52, das Molotow Cocktail. Nun kommt die Kunde von einer neuen Kellerbar in der Bergmannstraße. Eine orangefarbene Leuchttafel weist ziemlich grell – aber wie sonst soll ein Keller werben? – eine Treppe hinab. Die Tür klemmt. Wer in diese Bar will, muss kräftig rütteln.

Dafür gibt es zumindest an diesem Abend guten Grund. In dem Bar-Schlauch toben Kinder. Kinder! In einer Cocktailbar! Und regelrecht gefangen, denn kein Knirps stemmt diese Tür. Compañera und drinking man haben erstmal gestaunt. Zumal dieses Lokal nicht den Eindruck erweckt, hier werde in Absprache mit den örtlichen Kinderläden früh das künftige Stammpublikum herangezogen. Die Bar Nou wirkt vielmehr clever durchgestylt, als sollten Hipster-Flaneure aus Mitte abgeworben werden. Ein elegant im 90-Grad-Winkel geschwungener Tresen, eine bunt illuminierte Tresenwand mit vielen Fächern voller Alkoholika, in der Lounge dann große, elfenbeinfarbene Hockerquader und lange Sitzbänke, streng vertikal gezogene, orange schimmernde Leuchtkörper – sieht so eine Milchbart-Bar aus?

Bis das Mitte-Publikum hierher findet, schaut die typische Kiezmischung herein. Das heißt, nahe dem sanierten Altbauviertel rund um den Chamissoplatz, die postalternativen Eltern bringen ganz locker die Kleinen mit. Die Kellner tragen’s mit Fassung. Erst als zwei Mädchen bäuchlings über die Hocker surfen, ruft ein Servierer sachte „hey“. Es wirkt. Werden Kreuzbergs Gören jetzt artig?

Die Getränkekarte ist gut sortiert, doch stört ein hartnäckiger Schreibfehler. Champagner wird hier „Champanger“ genannt, durchgängig. Der drinking man hat sich ja fast daran gewöhnt, in jeder zweiten Karte auf „Manhatten“ zu stoßen, doch „Champanger“ ist der Gipfel der Schluderei. Außerdem möchte dieses Lokal als weltläufig gelten. „Bar Nou“ ist ein katalonisch-mallorquinisches Idiom und bedeutet „unsere Bar“.

Die Drinks sind allerdings gut genug, dass compañera und drinking man sich vorstellen können, „unsere Bar“ wörtlich zu nehmen. Der Cuban Island (Wodka, weißer Rum, Triple Sec, Zitronensaft) ist angenehm sauer und wunderbar erfrischend. Das gilt auch für den Sex on the Beach (mit großer, langer Wassermelonenscheibe), den die compañera als „passabel und ziemlich peachig“ bewertet. Vielleicht ein wenig zu süß, trotzdem empfehlenswert ist der Singapore Sling. Mit wuchtiger Süße kommt der Sparkling Fruits (Erdbeermousse, Passionsfruchtsaft, Sprite), der allerdings nur für entsprechend disponierte Konsumenten das Nonplusultra des Cocktailwesens darstellen dürfte. Vielleicht etwas für die drinking crowd der Siebenjährigen? In Kreuzberg ist ja alles möglich. Sogar elegant drinking mit Kiezkids.

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