Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Gegnerbeobachtung der anderen Art: Die SPD bekam auf ihrem Fraktions-Sommerfest am Dienstagabend im „Maxwell“ einen unerwarteten Gast. Während Journalisten und Politiker im Szenelokal in der Bergstraße miteinander plauderten, speisten und das eine oder andere Bier tranken, rauschte CDU-Politiker Peter Kurth mit seinem Auto durch die Hofeinfahrt und entschwand mit schnittiger Fahrweise in der Tiefgarage. Dort unten grübelte der Ex-Finanzsenator, wie er sich zu seiner Wohnung in der Bergstraße davonschleichen könnte, ohne einen falschen Anschein zu erwecken. Ab durch die Mitte, dachte er sich und tummelte sich kurz auf dem SPD-Fest. „Man ahnt nichts Böses, und plötzlich wimmelt es von Sozis“, witzelte Kurth. Er wird sich auf den nächsten Plausch mit einem seiner Nachbarn freuen: Der war Referent beim SPD-Bundesvorstand – und verantwortlich für Gegnerbeobachtung.

Die Berliner CDU kommt einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Politisch ist das schon schwierig, aber auch in Sachen Musikgeschmack bestehen die Unionspolitiker auf Individualität. Auf dem Weg zum Stones-Konzert trafen sich CDU-Landeschef Joachim Zeller und der parlamentarische Fraktionsgeschäftsführer Uwe Goetze. Beide sind begeisterte Stones-Fans und schwärmten in höchsten Tönen von dem Konzert. CDU-Fraktionschef Nikolas Zimmer ließ das unbeeindruckt. Er feierte seinen 33. Geburtstag und besuchte am Sonnabend mit seiner Frau die Paris-Bar. Plötzlich ging die Tür auf und herein kam – Mick Jagger. Zimmer ist kein Stones-Anhänger, dachte deshalb auch nicht an Autogramme für seine Unionsfreunde – und ließ das Fan-Duo Zeller und Goetze ob dieser verpatzten Chance sehr zerknirscht zurück.

Bei den Feierlichkeiten zum 17. Juni trafen FDP-Fraktionschef Martin Lindner und DGB-Chef Michael Sommer aufeinander. Der erkannte Lindner als denjenigen Politiker wieder, der den 1. Mai als Feiertag abschaffen möchte. Der Liberale würde gern den 1. Mai für den 17. Juni drangeben: Seiner Meinung nach wird der 1. Mai nicht mehr als Arbeiter-Kampftag wahrgenommen. Sommer konterte: Womit wolle die FDP künftig ihre Neumitglieder unterhalten, wenn der 1. Mai abgeschafft würde? Am 1. Mai waren die Gewerkschaften an der FDP-Zentrale vorbeigezogen, wo die FDP ein Fest für Neumitglieder veranstaltete. Lindner sinnierte: Das sei in der Tat das einzige vernünftige Argument, wenn es um die Erhaltung des 1. Mai als Feiertag geht.

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