Berlin : Kurzmeldungen

Andreas Conrad

PRO

Von seiner Wohnung in der Charlotten-, Ecke Taubenstraße hatte E. T. A. Hoffmann auf den Platz einen idealen Blick: „Der ganze Markt schien eine einzige, dicht zusammengedrängte Volksmasse, so dass man glauben musste, ein dazwischen geworfener Apfel könne niemals zur Erde gelangen“. Hoffmann schrieb dies in einer seiner letzten Erzählungen, „Des Vetters Eckfenster“, dem wohl schönsten Porträt des Gendarmenmarktes wie auch der damaligen Berliner Gesellschaft. Wir dürfen uns glücklich preisen, dass der Romantiker den Platz vor gut 180 Jahren sah und nicht heute. Wochenmarkt auf dem Gendarmenmarkt? Nach den musealen Vorstellungen des Bezirksamts Mitte undenkbar. Schon eine abendliche Benefizparty scheint ihm mit der Würde der Pflastersteine unvereinbar. Nun haben die Herrschaften in ihren Schreibstuben sicher Recht damit, dass ein Vorzeigeplatz wie der Gendarmenmarkt keinen billigen Rummel verträgt. Als reines Touristenaufmarschgelände ist er aber auch zu schade, bleibt so ein wegen allzu hehren Anspruchs vergeudetes Pfund, mit dem sich besser wuchern ließe. Geht es dem Bezirk wirklich noch so gut, dass er auf die angebotenen Gebühren für Straßensondernutzung verzichten könnte? Und sollen die zahllosen Nutzungswünsche, die angeblich tagein, tagaus für den Gendarmenmarkt ans Amt herangetragen werden, tatsächlich nur der Klasse „Billiger Jakob“ entstammen? Auch der schönste Platz Deutschlands verträgt eine ganze Menge Leben. Schlagt nur nach – bei Hoffmann.

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