Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

Im Senat gibt es einen starken Trend zum Urlaub in Deutschland. Anfahrtswege und Reiseziele lassen den Schluss zu, dass die Senatoren von der Arbeit zu erschöpft sind, um in den Ferien Belastungen zu ertragen. So reist Innensenator Ehrhart Körting – wie seit vielen Jahren, heißt es in der Verwaltung – an die Nordsee, nach Sankt PeterOrding. Die Macht der Gewohnheit hat auch den Kultursenator Thomas Flierl unter Kontrolle, der sein Anwesen an der Ostsee aufsuchen will. Justizsenatorin Karin Schubert, auch sie offenbar dem Bewährten besonders vertrauend, fährt in die Nähe von Neubrandenburg, an einen der Seen Mecklenburgs. Noch näher am Berliner Betrieb bleibt Stadtentwicklungssenator Peter Strieder. Er hat ein Ferienhaus in Brandenburg und will lesen sowie seinen offenbar verwilderten Garten unter naturschützerischen Gesichtspunkten in Ordnung bringen. Strieder hat verlauten lassen, die Zeitungen im Blick zu behalten und sich in bewährter Manier in die Streitereien einzuschalten, um diese von der Mark aus fernzusteuern. Aber was soll man von Bildungssenator Klaus Böger halten? Der Politiker, der schon so lange in Berlin ist, dass man den Hessen in ihm nicht mal mehr ahnen kann, macht eine Radtour am Main entlang. Danach will er für ein paar Tage nach Sylt. Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner will in Österreich Berge erklettern. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit will wenigstens in seinen Ferien von seinem Arbeitsgebiet wenig mitbekommen: Er fliegt mit dem Reiseziel Erholung auf eine griechische Geheiminsel. Der Mann, der in der Stadt die Stellung hält, ist Wirtschaftssenator Harald Wolf. Er bleibt in Berlin und will verschärftes Aktenstudium betreiben; das erinnert an Eberhard Diepgens Vorstellungen von Sommerpause. Finanzsenator Thilo Sarrazin ist vor lauter Haushaltsplanung noch nicht zur Urlaubsplanung gekommen.

Es sind nicht mehr viele in der Berliner CDU, die Kontakt zu Heinrich Lummer halten. Der frühere Innensenator, der seine Ideen ohne Rücksicht auf die Empfindsamen im Publikum mit dem rhetorischen Vorschlaghammer bekannt machte, liegt in einer Klinik in Westdeutschland. Dort kuriert er die Folgen eines Schlaganfalls aus. Lummers politischer Freud, der Vorsitzende der Deutschen Konservativen Joachim Siegerist, weiß über die Umstände mehr als Lummers Berliner Parteifreunde: „Lummi“ habe einen unbemerkt gebliebenen Infarkt untersuchen lassen und dabei den Schlaganfall erlitten. Das Gehen habe er schon wieder gelernt, so Siegerist, mit dem Sprechen gehe es langsamer, weil Lummer so ungeduldig mit sich selber ist. In einem Dreivierteljahr aber soll Lummer wieder reden können wie zuvor. wvb

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