Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Nola’s, Dortmunder Straße 9, Moabit, Tel.: 39 96 969, geöffnet montags bis samstags von 16 bis ein Uhr, sonntags ab 10 Uhr.

Wer kommt schon nach Moabit, um sich dem elegant drinking hinzugeben? Eine ehrliche Antwort wäre für das Viertel wahrscheinlich wenig schmeichelhaft. Aber auch nicht ganz richtig. Natürlich kann Moabit kaum mit Kreuzberg, Mitte oder Schöneberg konkurrieren. Doch es gibt einen „Leuchtturm“: Das Nola’s. Altbekannt, inzwischen geliftet – und durchaus attraktiv.

Im Sommer werden rot-weiß gestreifte Liegestühle rausgestellt. Sie wirkten beim Besuch von drinking man und compañera ungemein propper. In Moabit wird offenbar nicht, wie gern mal in Kreuzberg, ein Bier verschüttet. Trotzdem ist der Verdacht, das Nola’s sei ein Hort makelloser Sterilität, abwegig. Innen dominiert rustikales Tex-Mex-Design, kombiniert mit Sixties-Sitzmöbeln und etwas colonial style. Dies betrifft vor allem die durch lange, rote, unten geraffte Vorhänge vom Restaurant abgeteilte Lounge. Der drinking man versank in einem tiefen, alten Ledersessel, der in einem viceroyal office in Britisch-Indien gestanden haben könnte. Die compañera nahm auf einem höheren Lehnstuhl Platz. Sie hatte, rein optisch, das Sagen.

Von der Bar mit dem schräg nach unten weggezogenen Holztresen eilte eine nette Servierdame herbei. Sie und ihr ebenfalls auffallend freundlicher Kollege brachten einen großen Teller „Nachos San Fernando“ und die Drinks. Die Nachos waren schön üppig mit Käse überbacken, die Cocktails kamen ebenfalls angenehm reichhaltig daher. Der Bourbon Burner (Jim Beam, Southern Comfort, Zitronensaft, Grenadine, Lime Juice, Orangensaft) schmeckte wunderbar frisch. Süße und saure Noten waren schön ausbalanciert. Das galt auch für den Touch Down (Smirnoff, Apricot Brandy, Zitronensaft, Grenadine, Passionsfruchtnektar), der überdies mit einem sehr fruchtigen Aroma prunkte. Etwas ungewöhnlich ummantelt wirkte der Frozen Daiquiri – ein Whisky-Glas ist nicht gerade das klassische Gefäß für diesen drinking man’s favourite. Auch die pappschneeartige Konsistenz entsprach nicht ganz dem cubanischen Original, doch erstaunlicherweise war der Geschmack passabel (die compañera zog jedoch bei einem Probeschluck die rechte Augenbraue halbhoch). Dafür war der Alegro (Limonensaft, Rohrzucker, Minze, Soda) eine perfekt nicht-alkoholische Mojito-Kopie.

Nun denn, Moabit: Einige Bars mehr wie das Nola’s wären bestimmt nicht verkehrt. Bevor euch noch der Wedding überholt.

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