Berlin : Kurzmeldungen

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WEINE DES MONATS

Wenn es sommerlich perlt im deutschen Glase, sind meistens die Italiener schuld: Prosecco, eigentlich nur der Name einer Rebsorte, ist zum Synonym für erfrischende Belanglosigkeit zu günstigen Preisen geworden. Dennoch sind die meisten Abfüllungen ihr Geld nicht wert das merkt der unvoreingenommene Probierer beim Vergleich mit dem argentinischen Perlwein Septiembre der Bodegas Trapiche . Er wird aus einer nahezu unbekannten Rebsorte, der Torrontés, gekeltert, die praktisch nur in der Region Mendoza wächst. Bei traditioneller Vinifikation ergibt sie offenbar nur wenig aufregende Weißweine. Aber mit den neuen önologischen Möglichkeiten hat sich das grundlegend geändert: Handlese bei kühlen Morgentemperaturen, schonender Transport, gekühlte Gärung mit Zuchthefen sind das Rezept für diesen Wein, der seine besonderen Qualitäten vor allem eiskalt entwickelt. Der intensive Duft nach reifen Zitrusfrüchten, Pfirsichen und Aprikosen allein dürfte undogmatische Prosecco-Anhänger bekehren; der Kitzel der Kohlensäure, zarte, dezent dosierte Süße und cremige, bei nur 11,5 Prozent Alkohol durchaus unerwartete Fülle runden das Geschmacksbild ab. Nichts Großes, nichts zum Lagern - aber jetzt einfach lecker. Legen Sie lieber eine Flasche mehr aufs Eis; der Preis, 4,90 Euro, dürfte diese Entscheidung leicht machen. Zu haben ist der „Septiembre" bei Spur der Weine im Bahnhof Alexanderplatz und bei Aqui Espana , Kantstraße 34 in Charlottenburg. Oder doch lieber Roter? Einer, der leicht gekühlt am besten schmeckt, nicht zu füllig, von Frucht und frischer Säure beflügelt? Diese Beschreibung trifft im Prinzip auf einen Wein zu, der alljährlich im November... Nein, lieber jetzt: Beaujolais! Es müsste natürlich einer sein, der nicht mit allerhand kellertechnischen Turbo- Tricks auf Primeur gequält, sondern seriös ausgebaut wurde, einer, der nicht nach Banane müffelt, sondern die Qualitäten der Gamay-Rebe herausstellt, die Frucht, die sommerliche Frische, die Leichtigkeit. Leicht zu finden ist so etwas nicht, denn die Winzer im Beaujolais sind so auf dem eigenen Marketing-Wunder abgefahren, dass sie gar nicht bemerkt haben, wie das Image ihres klassischen Weins zugrunde ging. Nun ist das Wehklagen groß, denn allmählich geht auch das Interesse am Primeur zurück, 2001 in Deutschland schon um 17 Prozent. Gut, dass es noch Winzer wie Jean-Paul Brun gibt, die ihren Weg ohne Marketing-Mätzchen gehen und nur das produzieren, was sie auch selbst trinken würden. Er keltert deshalb auch einen holzfreien weißen Beaujolais aus Chardonnay, der an jeder aktuellen Mode vorbeigeht - und einen verlockenden Pinot Noir. Unser Beaujolais Domaine Terres Dorées aus dem Jahrgang 2001 hat all die oben erwähnten Qualitäten, er ist für kulante 6,85 Euro zu haben und hat nur einen Nachteil: Die neue Lieferung kommt erst am Dienstag bei Vinum in der Danckelmannstraße 29 in Charlottenburg an (geöffnet täglich ab 14 Uhr). Wer früher kommt, muss sich an den weißen (9,85) oder den Pinot Noir (11,95) halten. Auch keine schlechte Entscheidung. bm

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