Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Während der Sommerpause haben die daheim gebliebenen Politiker viel Zeit. Sie entwickeln Ideen, äußern sie laut – und freuen sich diebisch, wenn sie darauf Reaktionen erhalten. So geht das gerade FDP-Fraktionschef Martin Lindner. Schon lange ist dem Liberalen das Thälmann-Denkmal in Prenzlauer Berg ein Dorn im Auge. „Eine Ausgeburt an Scheußlichkeit“ sei die Büste, überdies von oben bis unten „bekleckert, versifft, verschmiert“, schimpft Lindner. Niemand könne ernsthaft eine Sanierung dieses „Monsters“ wollen. Lindner überlegte sich, wie die 50 Tonnen schwere Bronze-Statue noch sinnvolle Dienste tun könnte. Warum sie nicht in Einzelteile zerlegen und die zersägte Büste als Untergrund für den Palast der Republik hernehmen? Bei einem Palast-Abriss, wie ihn Lindner fordert, müsste nämlich die Baugrube beschwert werden, damit nicht der angrenzende Dom beschädigt wird. Zu Lindners Idee haben sich inzwischen viele andere wichtige Leute geäußert. Dass sein Vorschlag nicht ganz ernst gemeint war, das interessierte niemanden. Das politische Sommerloch tut sich auf.

Bundeskanzler Schröder hat seinen Italien-Urlaub abgesagt – und muss nun in Hannover bleiben. Hannover versus Italien! Da bekam Grünen-Politiker Özcan Mutlu Mitleid mit dem Kanzler und lud ihn schriftlich zu einem Türkei-Urlaub ein. Schröder möge doch an die positive Signalwirkung auf die türkischen Migranten denken! Der stellvertretende Senatssprecher Kolodziej kommentierte nüchtern: Mutlus Selbstbewusstsein sei schon sehr beeindruckend.

Mit „sofortiger Wirkung“ ist die Fütterung von Katzen auf dem Grundstück des Abgeordnetenhauses verboten, schrieb die Verwaltung des Hauses allen Parlamentariern. Durch die bisher „unkontrollierte“ Fütterung durch „verschiedene Personen“ habe es ein Überangebot an Futter gegeben – und dies hatte ein, sagen wir, Überangebot an „Schadnagern“ zur Folge. Schadnager? „Ratten, Mäuse und so“, sagt Abteilungsleiter Jochen Markmann. Und weil man sich die Katzenfreunde jeglicher politischer Couleur nicht vergraulen wollte, haben Fraktionsgeschäftsführer und Verwaltung eine „friedliche Lösung“ ausbaldowert: Ab sofort füttert nur noch eine Mitarbeiterin die kugelrunden Wildkatzen. Vielleicht tritt dann folgender Effekt ein: weniger Futter, dünnere Katzen, keine Schadnager.

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