Berlin : Kurzmeldungen

Andreas Kötter

Horizont“, das Fachblatt der Werber, weiß es genau: Mehr als 4000 Flächen werben in 70 deutschen Städten in den Sommermonaten für einen Wochenendtrip nach Berlin. Das Motiv mit der in tranceartiger Entspannung über einem Hotelbett schwebenden jungen Frau soll landesweit Menschen davon überzeugen, dass „Mir geht’s Berlin“ ein erstrebenswerter Gemütszustand ist.

Wir haben das nicht nur in München, der heimlichen Hauptstadt, sondern auch in der Provinz überprüft. In Wuppertal im Bergischen Land (größte Sehenswürdigkeit: die Schwerbebahn) machen wir eine Rundfahrt durchs Stadtgebiet und sehen erst mal alles außer Berlin. Das bayerische Molkerei-Unternehmen Weihenstephan hat derzeit die Stadt mit Plakaten geradezu überschwemmt. Sie zeigen ein überdimensionales Glas Buttermilch, das für „Frische Pur“ wirbt. Auch mit viel Expeditionsgeist lassen sich höchstens zehn Berlin-Plakate entdecken. Und die sind so unprominent angeschlagen, dass Autofahrer sie im Vorbeifahren höchstens aus dem Augenwinkel erahnen können. Fußgänger bekommen sie fast gar nicht zu Gesicht.

Zudem scheint die Kampagne der Berliner Touristik-Marketing den Nerv des Wuppertalers nicht recht zu treffen. „Klar, die Frau ist ein Hingucker.“ Das Urteil von Guido Balka, Angestellter bei der Wuppertaler Verkehrsaufsicht, ist noch milde. Ulrich Thiemann, der sich als Eventmanager naturgemäß auskennt mit PR-Aktionen und damit, wie man die Aufmerksamkeit der Menschen gewinnt, gibt zu bedenken, „dass sich der Bezug zu Berlin nicht gleich erschließen mag, wenn man vorbeifährt“.

„Ganz hübsch“, findet Thiemann „die Idee mit dem stilisierten Brandenburger Tor als Berlin-Logo", meint aber auch: „Eigentlich erinnert mich das Plakat eher an eine schon bekannte Werbung für eine Fluggesellschaft; Lufthansa oder LTU, vermute ich.“ Ihm sei das aber egal, denn er sei sowieso Berlin-Fan und oft in der Hauptstadt zu Besuch. Auch Klaus Wegburg war schon mal in Berlin. „Aber das ist zehn Jahre her und irgendwie finde ich den Slogan so gelungen nicht.“

Seine Begleiterin, Irmgard Kruth, pflichtet ihm bei. „Ist das eine Werbung für ein bestimmtes Hotel?“, wundert sie sich. „Wo steht denn dann die Adresse?“ Die beiden sind mit Rucksäcken unterwegs zum Bahnhof und haben deshalb kaum Zeit zum Plaudern. „Nach Berlin führt unser Weg aber ganz sicher nicht“, sagt das Paar lachend zum Abschied. „Uns geht’s halt nicht so Berlin im Moment!“

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