Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Es vergeht keine Woche, in der FDP-Fraktionschef Martin Lindner nicht mit Vorschlägen Furore macht. Letzte Woche forderte der Liberale, die Thälmann-Büste abzureißen und das zersägte „Monstrum“, so Lindner, in den Palast der Republik zu schaffen: als Beschwerung für den Untergrund, um den Palast abreißen zu können, ohne den angrenzenden Dom zu beschädigen. Die Reaktionen folgten prompt: Haufenweise erhielt die FDP-Fraktion Briefe, adressiert an die „Parteileitung der FDP". Empörte Bürger erteilten darin Ratschläge von zweifelhafter Güte. So empfahl ein M. Bauer, Lindner so lange „mit einer kräftigen Reitpeitsche“ zu bearbeiten, „bis er ein wenig geheilt ist". Ein anderer forderte gar: „Schickt Lindner zu einem Nervenarzt!" In dieser Woche forderte der FDP-Politiker zu Ehren von Ernst Reuter die Umbenennung der Niederkirchnerstraße in die Ernst-Reuter-Straße. Jetzt freut er sich auf weitere nette Zuschriften.

SPD-Fraktionschef Michael Müller ist sauer auf SPD-Finanzsenator Thilo Sarrazin. Der beklagte sich darüber, dass Kinder keine Märchen kennen würden, weil in Kitas viel zu wenig vorgelesen wird. Statt Kinder zu fördern, würden sie oft nur verwahrt werden. Müller giftete zurück: Sarrazin sei die „Inkarnation eines politischen Märchenerzählers“. Er solle sich nicht in Bereiche einmischen, von denen er nichts verstehe.

Wenn’s mit der eigenen Partei nicht geht, dann eben mit dem Koalitionspartner. Einträchtig lagen am Freitag SPD-Finanzsenator Sarrazin und PDS-Senatorin Heidi Knake-Werner nebeneinander – und spendeten Blut in der Charité. Die beiden, die sich sonst in Sachen Kürzungen im Sozialbereich heftig beharkt haben, haben sich prächtig verstanden. Ein Zuschauer sprach nach der Blutspende-Aktion nicht mehr von einer „rot-roten“, sondern von einer „blutroten“ Koalition.

Sarrazin versteht sich auch mit der Opposition. Trotz eines Missbilligungsantrags tummelte er sich einen Tag später mit Grünen auf dem Mariendorfer Bierfest. Dort verriet er, dass er begeisterter Monopoly-Spieler sei. Die Grünen schickten ihm daraufhin ihr „Bankenspiel“. Jetzt wartet man auf eine Einladung zu einer gemeinsamen Partie.

0 Kommentare

Neuester Kommentar