Berlin : Kurzmeldungen

Werner van Bebber

HINTER DEN KULISSEN

Es gibt fast nichts, was Berliner Politiker nicht regeln. Nur mit den Hunden werden sie nicht fertig. Es gibt zwar eine Verordnung über gefährliche Hunde, aber die hat Mängel. Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) will deshalb nach den Ferien den Entwurf eines Hundegesetzes vorlegen. Falsch, meint der liberale Hundefreund Rainer–Michael Lehmann und präsentierte am Mittwoch eine Reform des Hundesteuerwesens, die auf freiwilliger Zahlungsweise beruht. Bei 150 000 nicht gemeldeten Hunden ein hoffnungsvolles Unterfangen.

Alle Oppositionsfraktionen machten in dieser Woche Hundepolitik. Die CDU-Fraktion legte am Freitag einen Hundegesetzentwurf vor. Er sieht Leinenpflicht und „Rasseliste“, Sachkundenachweis und Kennzeichnung per Chip vor. Vage Drohung: Verstöße können mit einem Bußgeld von 100 000 Euro geahndet werden. Das wird starken Eindruck machen. Das alles sollen die Ordnungsämter kontrollieren. Die gibt es noch nicht. Sehr schön: die gute halbe Seite über den Datenschutz.

Die Grünen haben vor einem Jahr eine Spezialidee entwickelt: Nicht Hunderassen sollen auf Gefährlichkeit getestet werden, sondern Hunde ab 40 cm Schulterhöhe und 17 Kilo Gewicht. Am Freitag erneuerte Hundefachfrau Claudia Hämmerling den Vorschlag und ließ vier Hunde vorführen, um zu zeigen, wie sinnlos die Einteilung mit Maulkorbpflicht für einige Rassen ist. Denn ausgerechnet die beiden kleinsten der vier, „Alana“ und „Hevia“, waren englische Staffordshire Bullterrier. Sie unterliegen der Maulkorbpflicht, waren aber lieb. Es beruht nach Meinung von Frau Hämmerling auf einem Missverständnis, dass diese Hunde als „gefährlich“ eingestuft wurden. In England, so die Grünen-Politikerin, seien dies Familienhunde. Allerdings fahren die Engländer auch auf der linken Straßenseite. Claudia Hämmerling hat in sich die Kraft, zur Mutter Teresa der vorschriftengeplagten Nicht-Kampfhunde zu werden. Sie hat Gefühl für die Kreatur: „Die haben richtig Stress“, herrschte sie einen Fotografen an, der nicht genug Bilder von den Tieren bekommen konnte und weiter fotografierte, als die Politikerin längst den Abbruch der Aktion verlangt hatte. Immerhin war es Stress für die grüne Sache.

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