Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Malete, Oranienburger Straße 39 in Mitte, Telefon: (vorläufig) 0162-47 39 396, geöffnet montags bis freitags von 10 bis 1 Uhr, samstags/sonntags bis 2 Uhr

Das ist schon verwirrend: Zwei Lokale heißen „Malete“, sie sind in Mitte, nicht weit voneinander entfernt, und beide gehören demselben Mann, einem Kurden. Zieht dieser Mensch eine Kette auf? Oder mangelt es ihm ein wenig an Fantasie? Soll jenes Malete mehr Bar sein als dieses? Jedenfalls stießen der drinking man und sein compañero an der Oranienburger Straße auf ein Malete, das als Restaurant und Cocktailbar gekennzeichnet ist. An dieser Meile wäre allerdings ein Lokal ohne Mixdrinks kaum noch vorstellbar.

„Malete“ ist ein kurdisches Wort und bedeutet „mein Heim“. Tatsächlich bietet das kürzlich eröffnete Lokal, vor allem hinten, orientalische Heimeligkeit. Dort sind dicke, bunte Kissen um niedrige Holztische drapiert, wie geschaffen für eine Wasserpfeifenorgie. Noch hat sich hier aber offenbar niemand geräkelt, dieser Teil der Lounge wirkte bei aller Üppigkeit penibel aufgeräumt. In den beiden vorderen Räumen war schon mehr los. An dem schlängeligen Leuchttresen mit den hellen, art-déco-artigen Holzlamellen tranken ein paar Flaneure, an den Tischen mit den dank dunkel-gerippter Rückenlehnen recht elegant wirkenden Stühlen saßen einige Pärchen, deutscher wie offenbar kurdischer oder irgendwie westasiatischer Herkunft.

An einer Wand hängt ein großes, naiv anmutendes Gemälde eines Zwerges mit nackten Füßen, großen Ohren und einer überdimensionierten roten Baskenmütze (Mister Malete?). Dazu ertönte „Comandante Ché Guevara“ aus den Boxen, gefolgt von oriental pop und Club-Culture-Sound. Zwei freundliche Kellnerinnen brachten einen reichhaltigen „Malete“-Vorspeisenteller – und Drinks. Ein Cocktail ist, nicht ganz unerwartet, nach dem Lokal benannt. Der Malete-Tai (Captain Morgan, Gin, Wodka, Grenadine Sirup, Lime Juice, Zitronensaft, Ananassaft, Orangensaft), schmeckte gut und war trotz der Kombination mehrerer Alkoholika nicht übermäßig stark geraten. Dagegen litt der Gin Tai an mangelnder Liebe bei der Zubereitung – etwas mehr gestoßenes Eis hätte diesen Cocktail frischer und nicht so unpassend cremig erscheinen lassen. Außerdem entpuppte sich der Mojito als ungemein säuerlicher Begleiter. Doch der leckere Planter’s Punch versöhnte mit den Mängeln, die man einer neuen Bar wahrscheinlich nachsehen muss. Das andere „Malete“, in der Chausseestraße, werde möglicherweise bald schließen, deutete der Besitzer am Telefon an. Zumindest würden sich dann die Optionen von drei auf zwei reduzieren, wenn mal eine Tour „in mein Heim“ ansteht, oder wie?

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