Berlin : Kurzmeldungen

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Die Zahl der innerparteilichen Gruppierungen in der SPD nimmt wieder zu. Früher gab es bloß den Donnerstagskreis und die Rechten. Vor Monaten versammelten sich im Café Soziale Junglinke, sozusagen donnerstagsunabhängig. Die CaféSozialisten brachten es immerhin zum Antrag für den Landesparteitag, der sich gegen die Verschröderung der SPD richtetet. Sie hatten und haben ein Herz für Sozialhilfeempfänger. Wenn man hört und sieht, was Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt plant, werden die Kaffeehaussozialisten bald wieder aktiv werden müssen. Neuerdings gibt es auch die Gruppe der Extremsportler in der Berliner SPD. Die drei Abgeordneten Kirsten Flesch, Renate Harant und Jürgen Radebolt wollen gemeinsam in die Schweiz reisen, um dort den 4600 Meter hohen Monte Rosa zu besteigen. Dessen West-Seite soll eher flach ansteigen. Der Aufstieg über die Ostwand gilt als mittelschwere Eistour. Dort ist angeblich perfekte Eisklettertechnik erforderlich. Erstaunlich, was unsere Abgeordneten noch an Konditionsreserven haben.

Politik ist eine infektiöse Sache. Selbst wenn man aus dem Betrieb ausscheidet und einen so anständigen Beruf wie den des Rechtsanwalts ausübt, bleibt man oft in den politischen Streit involviert – allerdings auf anderer Ebene. Ex-Senator Klaus Riebschläger (SPD) zum Beispiel, seit vielen Jahren Mitglied der Kanzlei Knauthe Eggers mit Sitz am Leipziger Platz, machte dieser Tage von sich reden, weil er als Anwalt gegen das Land Berlin für die Anschlussförderung im Sozialen Wohnungsbau streitet, obgleich er das System früher mal als „kriminell“ im moralischen Sinn kritisiert hat. Der Streit dürfte sich noch Jahre hinziehen und Riebschläger hat mit seinen 62 Jahren durchaus nicht vor, den Betrieb herunterzufahren. Im Gegenteil: Ende des Jahres will er sich mit einigen Kollegen von Knauthe Eggers trennen. Riebschläger will eine „Neugründung“ wagen, wie er sagt. Offenbar sieht der Mann, dessen gute Kontakte zu Politik, Wirtschaft und Verwaltung ein Branchendienst lobt, viel Streitpotenzial in der Stadt. Allein der soziale Wohnungsbau wird für Jahre reichen. wvb.

HINTER DEN KULISSEN

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