Berlin : Kurzmeldungen

Werner van Bebber

PRO

Im Internet sind Millionen von Gesichtern zu sehen, auch Gesichter von mutmaßlichen oder verurteilten Straftätern und Gesichter von Opfern. Bloß die mutmaßlichen Randalierer vom 1. Mai dürfen in diesem Medium nicht abgebildet werden. Die Datenschützer haben dies der Polizei untersagen lassen und sich – ein Grund reichte offenbar nicht – argumentativ schwer bewaffnet. Es entstehe die Gefahr einer „erheblichen Rufschädigung. Das gilt insbesondere für Unschuldige“, schreiben sie. Für wen denn sonst?

Wer die Bilder ansieht, der weiß, dass es Verdächtige sind, nicht aber verurteilte Täter. Auch fürchten die Datenschützer um die Resozialisierung der Landfriedensbrecher, die durch „unnötige Publizität“ erschwert werden könne. Das alles geht derart an der Nutzung des Internet und an der Fähigkeit des Normalmenschen zum Gesichtermerken vorbei, dass das Abgeordnetenhaus dringend den Etat der Datenschützer aufstocken muss, damit sie sich mal umsehen können im Internet und prüfen, wen sie nachmittags in der U-Bahn wiedererkennen.

Das Internet ist ein Medium, in dem man unter anderem Bilder an- oder wieder ansehen kann. Man meinte, auf einem Fahndungsplakat auf einer Wache, in einer Behörde, jemanden erkannt zu haben. Man war sich unsicher. Man will niemanden falsch verdächtigen. Man sieht sich die Bilder im Internet an. Niemand wird dabei verletzt – aber vielleicht hilft es, dass der nächste 1. Mai etwas weniger steinig abläuft.

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