Berlin : Kurzmeldungen

Ariane Bemmer

CONTRA

Auf der Homepage des Bundeskriminalamts wird nach mutmaßlichen Mördern, Bankräubern und mutmaßlichen Attentätern gefahndet. Überall auf der Welt kann man ihre Gesichter ansehen, ausdrucken, kopieren, aus dem Netz herunterladen. Wer das wo macht und zu welchem Zweck, ist unkontrollierbar. Die Fahnder haben darauf keinen Einfluss, die Straftäter noch viel weniger.

Die vom Bundeskriminalamt Gesuchten sind entweder Schwerverbrecher oder man hält es für wahrscheinlich, dass sie das Land verlassen. Deshalb ist es angemessen, nach ihnen in dieser extremen Form zu fahnden. Die Personen, die wegen der 1.-Mai-Randale gesucht werden, sind weder das eine noch das andere. Einige haben Steine auf Polizeibeamte geworfen (was schlimm ist, keine Frage), andere haben nur durch die zerdepperte Fensterscheibe in das Supermarktregal gegriffen und Bier geklaut.

Sie ohne Einzelfallprüfung zu einer weltweiten Fahndung auszuschreiben, wäre unverhältnismäßig. Das Recht am eigenen Bild gilt auch für den 15-jährigen Ladendieb. Diese Datensicherheit für einen schnellen Fahndungserfolg zu opfern, wäre fatal. Datensicherheit ist Demokratieschutz. Ich bestimme, was über mich bekannt ist. Dass das nicht mehr für Mörder und Schwerverbrecher gilt, kann man vertreten. Dass das für jeden gilt, der etwas falsch gemacht hat, nicht mehr. Den muss die Polizei mit ihren herkömmlichen Methoden ermitteln. Die funktionieren doch.

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