Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

prinzalbert,

Veteranenstraße 10, Mitte, Tel.: 590 02 94, geöffnet täglich von

9 bis 2 Uhr

Bislang war Mitte eigentlich nicht als hot spot royaler Neigungen bekannt. Als nun ein Herr Meyer per Fax ein neues „Café-Bar-Restaurant“ plus kleinem Hotel mit dem Namen „prinzalbert“ ankündigte und gleich noch ein Wappen samt Krone präsentierte, war der drinking man ein wenig überrascht. Sollte ausgerechnet hier Prinz Albert von Monaco ein wenig überschüssiges Geld geparkt haben? Oder hat sich gar der belgische König wilder Jugendabenteuer in Berlin erinnert, die jetzt eine Art Wehmuts- Investition zur Folge haben? Oder steht „prinzalbert“ etwa – pardon, liebe Leser, liebe Leserinnen, das ist jetzt unvermeidlich – für ein gewagtes Piercing am most sensible part des männlichen Körpers? Immerhin soll, so verrät das Internet, der Gemahl der englischen Königin Victoria, Prinz Albert aus dem Hause Sachsen-Coburg-Gotha, einen ringartigen Intimschmuck getragen haben. Dieses piece of royal piercing wurde dann als „Prinz Albert“ ein Insider-Begriff der einschlägig drapierten Szene. Was war da in der neuen Bar zu erwarten?

Das Lokal, im Erdgeschoss des Hotelneubaus, hat die geometrische Form eines langen Querbalkens. Der Tresen ist ein unauffälliges Hellholz-Exemplar, die hohen Rückenlehnen der Sitzbänke sind mit gekämmten Tierfellen verziert. Bei den aktuellen Temperaturen spielt sich das Trinken natürlich draußen ab. Auf den Stufen liegen Sitzpolster, davor ist grünes Gartengestühl aufgereiht, zuzüglich quietschgelber Liegen. Hinweise auf Majestäten oder Extrem-Piercing gibt es nicht. In der Bar hängt nur in einer Ecke eine Regenbogenfahne, das Banner der Schwulenbewegung. Alles ganz harmlos, kein Glamour und kein Schmerz?

In den genossenen Salaten und Cocktails lauerten auch keine Ringe, Krönchen oder sonstiges Metall. Der drinking man nahm einen Cherry Fizz (Zitronensaft, Brandy Cherry Heering, Brandy, Soda, Kirschsaft), der leider nicht kalt genug war. Für die compañera kam ein Hurricane (mittlere Brise), der amiga americana-helvetica wurde ein El Presidente (Martini Dry, Martini Rosso, Monin Grenadine, De Kuyper Triple Sec, Bacardi Oro, Zitronensaft) gebracht. Er war tief rot und schmeckte gut, wirkte aber in dem großen Glas etwas klein geraten. Der compañero bestellte mutig einen Gin Tai, obwohl dieser auf der Karte nicht aufgeführt ist. Der Keeper, einst in Kreuzberg in der Morena-Bar tätig, wälzte Cocktail-Literatur, blieb jedoch ratlos. Mit dem georderten Mai Tai war der compañero so weit zufrieden, auch wenn die Mandelnote etwas überbetont war und schon nach drei Schlucken nicht allzu viel übrig blieb.

„prinzalbert“ ist offenkundig noch ein work in progress. Bei dem vielleicht auch erst in einem fortgeschrittenen Stadium etwaige Neigungen zu Piercing-wie-die-Royals kenntlich werden dürfen.

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