Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

Politiker und Geld, das ist ein Thema für sich. Da wird das Wahlvolk hellhörig. Diese Empfindlichkeit hat den Geldautomaten im Abgeordnetenhaus die Existenz gekostet. Er wurde in den Sommerferien abgebaut. Viele Jahre war das Terminal, auf dem die Volksbank gut sichtbar für eigene Zwecke warb, ein Anziehungspunkt für Abgeordnete und deren Gäste. Alle wussten: Hier hebt man sein Geld immer gratis vom Konto ab, mit welcher EC-Karte auch immer. Doch eine EU-Richtlinie, die verlangt, dass die Banken im In- und Ausland gleich hohe Gebühren nehmen müssen, hat alles zunichte gemacht. Der Automat gab die bunten Scheine nicht mehr gebührenfrei ab und die Fraktionsgeschäftsführer waren sich daraufhin einig: Das Parlamentsgebäude ist ein werbefreier Raum, in dem die Embleme der Volksbank nichts zu suchen haben. Am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, wurde die Gleichheit aller Geldbesitzer wiederhergestellt. Im Foyer steht jetzt nur noch der Fahrscheinautomat der Verkehrsbetriebe.

Ja, das liebe Geld… Als der Parlamentspräsident Walter Momper am Montagnachmittag in seinen Dienstwagen stieg, entglitt ihm das Jackett, das er flugs aufhob, aber die Brieftasche blieb auf der Strecke. Erst gegen 20 Uhr merkte der SPD-Mann, dass ihm was Wichtiges fehlte. So ein Kladderadatsch! Er telefonierte herum, ließ die Scheckkarte sperren und hatte doch Glück im Unglück. Drei Stunden später rief der Pförtner an, der nachts das Landesparlament behütet. Die PDS-Abgeordnete Bärbel Holzheuer-Rothensteiner hatte die Brieftasche gefunden und beim Wachmann abgegeben. Da war Momper klar: Auf den Koalitionspartner kann man sich in jeder Lebenslage verlassen.

Frank Henkel ist kräftig, von zupackender Art und keineswegs auf den Mund gefallen. Doch als ein Mann mit Schusswaffe in der Hand die Wohnungstür öffnete, standen dem innenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion die Haare zu Berge. Um das wirkliche Leben kennen zu lernen, war Henkel mit einer Nachtstreife der Polizeidirektion 3 unterwegs gewesen. In Moabit – das ist nicht die feinste Gegend in Berlin. Ein paar Ecken weiter durfte er in Augenschein nehmen, wie die Polizisten vier Jugendliche festnahmen, die das Schaufenster eines Juweliergeschäfts eingeworfen hatten. Berlin sei wohl doch die Hauptstadt der Kriminalität, war sein niederdrückendes Fazit.

Nach dem Sommerurlaub hat Finanzsenator Thilo Sarrazin sofort ein drängendes Problem angepackt. Er will sein Büro mit zwei Renaissancegemälden, preiswerten Repliken natürlich, ausschmücken. Sie zeigen den „Geldwechsler und seine Frau“ von Quinten Massys und das strenge Porträt des venezianischen Dogen Leonardo Loredan. Der Stadtstaat Venedig hat es 200 Jahre lang geschafft, immerzu Haushaltsüberschüsse zu erwirtschaften. Das imponiert Sarrazin.

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