Berlin : Kurzmeldungen

Ingo Bach

PRO

Privat ist nicht immer besser! Wieso sollte sich ein privater Kontrolleur, der im Auftrag der BVG unterwegs ist, um das Image der Verkehrsbetriebe sorgen? Aber um die „Erfolge“, die sein Chef von ihm verlangt – sprich überführte und vor allem abkassierte Schwarzfahrer –, um die muss er sich sehr wohl sorgen. Egal, wie er die Quote erreicht. Ein BVG-Angestellter dagegen, der aufgrund seines sichereren Arbeitsplatzes nicht unter Quotenzwang gestellt werden kann und dem das Erscheinungsbild seines Arbeitgebers am Herzen liegt, behandelt die Passagiere eher als das, was sie dem offiziellen Namen nach ja auch sein sollen: als Fahrgast. Vielleicht drückt er mitunter gar ein Auge zu, wenn ein solcher Gast tatsächlich nur aus Versehen zum Schwarzfahrer wurde. Und hat so einen ganz anderen Erfolg als die privaten Schwarzfahrerjäger: nämlich zum Beispiel einen künftigen Stammzahler. Der BVG-Chef wiegelt öffentlich ab, dass sich ja nur sieben von 100 000 kontrollierten Fahrgästen bei der BVG beschwerten. Erstens sind das immer noch 700 im Jahr, und zweitens hätten sicher noch mehr einen Grund dazu. Touristen zum Beispiel sind nach wenigen Tagen wieder fort. Und viele Einheimische werden sich sagen, wozu sich beschweren, wenn die BVG doch nicht zuständig ist und erst beim beauftragten Unternehmen nachfragen muss. Auch wenn die BVG nicht gerade für ihre Offenheit berühmt ist, so ist sie trotzdem ein öffentlich-rechtliches Unternehmen. Das macht sie immer noch transparenter als ein privates Wachschutzunternehmen.

CONTRA

Es klappt jedes Mal. Die jungen Burschen, die aussehen, als wollten sie gerade ihren Hauptschulabschluss nachholen, zücken BVG-Ausweise und kontrollieren die Fahrscheine. Keine Uniform als Frühwarnsystem. Keine Gesichter, in denen man den pensionierten Busfahrer wiedererkennt. Die Überraschung ist jedes Mal groß, selbst bei routinierten Schwarzfahrern. Mit Hilfe von Privatfirmen, die ihr burschikoses Personal preiswert zur Verfügung stellen, gehen die Verkehrsbetriebe sehr erfolgreich auf die Pirsch. Die BVG spart so Geld und eigenes Personal und steigert die Effektivität ihrer Kontrollen. Ja, es gibt vereinzelt Beschwerden, wegen mieser Behandlung und Abzockerei. Aber kein Fahrgast beschwert sich darüber, dass die Kontrolleure einen privaten Arbeitgeber haben. Menschen, die sich schlecht benehmen, unterscheiden sich doch nicht durch ihren Arbeitsvertrag. Beamte und Staatsangestellte sind nicht per se freundlich und gut ausgebildet. Die Mitarbeiter von Privatfirmen sind nicht per se hinterlistig und doof. Die neue Kontrolleursgeneration ist vielleicht ein bisschen zu jung, menschlich noch zu unerfahren und zu wenig trainiert, Konfliktsituationen zu bewältigen. Das wären die jungen Leute aber auch, wenn der Staat sie direkt unter Vertrag hätte. Es soll – vor vielen, vielen Jahren – auch pampige BVG-Busfahrer gegeben haben. Wer sich auf Dauer daneben benimmt, ob öffentlich oder privat, gehört ohnehin aus dem Verkehr gezogen. Ulrich Zawatka-Gerlach

WAS MEINEN SIE?

Soll sich die BVG von ihren privaten Kontrolleuren trennen?

Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 24 Uhr an. Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-203333-1, sind Sie dagegen: 0137-203333-2 (12 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Abstimmung im Internet unter

www.tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben