Berlin : Kurzmeldungen

Susanne Vieth-Entus

PRO

In deutschen Schulen gibt es einen fatalen Mechanismus: Wer nicht mitkommt, wird fallen gelassen. Erst in Form des Sitzenbleibens, dann durch den Wechsel in die nächste Schulform. Vom Gymnasium in die Realschule, von da in die Hauptschule. Die soll dann sehen, wie sie mit dem „Rest“ zurechtkommt. Solange ein Lehrer weiß, dass er „nach unten“ reichen kann, wird er es tun.

Niemand hat sich in Deutschland ernsthaft dafür interessiert, was das Sitzenbleiben bringt. Seit Pisa ist das anders: Jetzt kann jeder nachlesen, dass erfolgreiche Länder ohne das Sitzenbleiben auskommen. Dass Deutschland zum untersten Leistungsdrittel gehört, obwohl jeder vierte Schüler eine Klasse wiederholt hat.

„Wiederholung ist die Mutter des Lernens“, sagt der russische Volksmund. Für die Sitzenbleiber gilt das offensichtlich nicht. Denn wer frustriert ist, will nicht lernen. Und Sitzenbleiber sind extrem frustriert: Sie verlieren ihren Klassenverband, in dem sie heimisch sind. Sie erfahren die Enttäuschung ihrer Eltern und stehen als Versager da. Oftmals kompensieren sie ihren Frust, indem sie entweder die neue Klasse „aufmischen“ oder anfangen zu schwänzen. Verhindern lässt sich das alles nur, wenn schwache Schüler rechtzeitig und individuell gefördert werden. Da sich nicht alle Eltern einen teuren Nachhilfelehrer leisten können, müssen die Schulen die Zusatzförderung übernehmen. Das wird nicht einfach in Klassen mit über 30 Schülern. Aber es geht, wenn alle wissen: Sitzenbleiben ist nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar