Berlin : Kurzmeldungen

In Berlin einen Film drehen? „Warum nicht?“, sagt der Mann, der Indiana Jones und Han Solo war, im Interview. Aber erst soll ihm mal jemand ein Drehbuch zeigen Ford-setzung folgt

Andreas Conrad

Was haben diese Hände nicht schon vollbracht! In „Star Wars“ haben sie fiese Weltraummonster pulverisiert, in „Apocalypse Now“ überreichten sie den Befehl, Colonel Kurtz zu liquidieren. Indiana Jones hat mit ihnen manche alte Statue gestreichelt und in „Blade Runner“ kämpften sie gegen Replikanten. Sabrina genoss ihre Liebkosungen, und Schurke Sartain in „Hollywood Cops“ wird durch diese Hände in die Tiefe gestürzt.

Und jetzt beginnen diese beiden Hände auch noch zu sprechen. Soeben ruhten sie noch entspannt auf der Tischplatte, jetzt haben die Finger begonnen zu trommeln. Langsam erst, nun schon ungeduldiger, und während Harrison Ford, scheinbar ganz gelassen nach der Antwort auf die letzte Frage tastet, spricht der Rhythmus der Finger ebenso deutliche, doch weitaus weniger gesetzte Worte: „Müsst ihr darauf denn jetzt rumreiten?“ Oder so ähnlich.

War doch aber klar, dass man ihn in der Interviewrunde im Four Seasons noch einmal auf seine kleine Stichelei vom Vortag ansprechen würde, als er im Roten Rathaus Berlin als eine Stadt pries, „in der Schauspieler Schauspieler und Politiker Politiker sind“. Mancher seiner Kollegen findet zu Schwarzeneggers Gouverneursplänen weitaus deutlichere Worte, aber Ford bleibt auch auf Nachhaken diplomatisch. „Vielleicht wird er es auch nicht.“ Viel mehr ist nicht herauszulocken. Nein, er habe keine moralischen Probleme damit, wenn nun ein Schauspieler in die Politik strebe. Wenn er Talent und die Möglichkeit habe – warum nicht? Doch die Frage, ob er Arnie wählen würde oder nicht, stellt sich zum Glück gar nicht: Schließlich sei er als Wähler nicht in Kalifornien, sondern in Wyoming registriert.

Da lebte er einige Zeit, als er Los Angeles über hatte. Später zog er nach New York, weil seine Kinder dort eine bessere Schulbildung bekamen, und jetzt wohnt er doch wieder in Los Angeles. Seine angebliche Hollywood-Aversion? „Ein Mythos, den sich jemand ausgedacht hat.“ Gelegentlich gehe er sogar auf Partys, aber weitaus wichtiger seien ihm nun mal die persönlichen Beziehungen, Freundschaften, Familie, Kinder vor allem, die in Fords Antworten immer wieder auftauchen. Was er ihnen vor allem mitgeben wollte im Leben? „Unabhängigkeit, Respekt, Disziplin, die Möglichkeit, dieselbe Qualität von Leben zu erlangen“ – er könnte in der Aufzählung noch lange fortfahren.

Für seine Rolle als Detective Joe Gallivan hat sich Ford auch beim Los Angeles Police Department, den originalen Hollywood Cops, umgeschaut, nicht, um dort intensive Studien zu betreiben, mehr um die „besondere Kultur“ dort zu erleben, die „besonderen Regeln“ kennen zu lernen, die von denen in New York oder Philadelphia sehr verschieden seien. Die besondere Herausforderung in diesem Film? „Es ist immer dieselbe: das Beste zu tun, um einen Charakter zum Leben zu bringen.“ Der Charakter, den er dazustellen hat, ist das, was den Filmstoff für ihn interessant macht. Ob das nun ein so genannter Held ist oder nicht, ist ihm egal.

Probleme mit dem Altern? „Ich war mir immer bewusst, dass ich älter werde.“ Manches sei jetzt sogar besser. „Ich weiß jetzt genauer als früher, was ich tue.“ Aber insgesamt sieht er das Leben doch als Kontinuum. Jünger oder älter – schwer zu sagen, was nun besser ist. „Vielleicht nichts.“

Einen Film drehen in Berlin, wie von Klaus Wowereit angeregt? Würde er gerne, doch: „Zeigen Sie mir ein Script.“ Und erstmal muss das von „Indiana Jones IV“ fertig werden, an dem George Lucas, Steven Spielberg, der Drehbuchautor und er selbst arbeiten. Im Spätsommer kommenden Jahres soll es mit den Dreharbeiten losgehen. Indiana Jones als älterer Mann? Für Harrison Ford kein Problem.

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