Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Faule Beamte? Die gibt es zumindest im Roten Rathaus nicht. Während der Langen Nacht der Museen vor einer Woche hielten 20 Beamte „Stallwache“. Über 10 000 Besucher kamen und ließen sich von den Mitarbeitern im Senatssitzungssaal erklären, wo welcher Senator sitzt und wie in der Regel eine solche Sitzung abläuft. Auch durch das Büro des Regierenden Bürgermeisters konnten die Zaungäste flanieren. Klaus Wowereit schaute höchstpersönlich gegen 21.15 Uhr vorbei – und verursachte im wahrsten Sinne des Wortes einen Behördenstau. Fast jeder wollte von dem im Volk so beliebten Regierenden Bürgermeister ein Autogramm. Die Warteschlange wurde zu Spitzenzeiten bis zu 60 Meter lang. Die meisten Autogrammjäger wurden allerdings stutzig, als sie auf seinem Schreibtisch ein Zepter erblickten. Was er damit mache, wurde er von einigen gefragt. Klaus Wowereit antwortete schelmisch: Das Gastgeschenk aus Mali nutze er gern hin und wieder zur notwendigen Disziplinierung des Senats.

Die CDU nimmt den Aufbau Ost sehr ernst. Jetzt kümmert sich ein alter Hase im Wahlkampfgeschäft persönlich um die Zukunft der Christdemokraten in Sachsen. Peter Radunski, langjähriger CDU-Bundesgeschäftsführer und später über Jahre Mitglied der Kernmannschaft von Eberhard Diepgen in Berlin, wirkt beim Landtagswahlkampf im kommenden Jahr in Sachsen als Berater für die CDU. Im vergangenen Jahr war Radunski in Sachsen-Anhalt Wahlkampfberater des CDU-Spitzenkandidaten Wolfgang Böhmer. Radunski, der sich selbst als Verfechter von „situativen Wahlkämpfen“ bezeichnete, tritt schon jetzt seine Aufgabe bei den Sachsen an – obwohl erst in einem Jahr gewählt wird.

FDP-Schulpolitikerin Mieke Senftleben erhielt einen Brief von einer Mutter, in dem sie sich für das Engagement der Liberalen für freie Schulen bedankte. Frau Senftleben freute sich und wurde beim Namen der Absenderin stutzig. Nach ihrem Abitur lebte sie nämlich bei einer Familie in Bad Salzuflen, um das „Haushalten“ zu lernen. Anfang der siebziger Jahre war das üblich. Die Mutter, die ihr jetzt geschrieben hatte, war damals eines der Kinder in besagter Familie. Die beiden Frauen haben sich sehr gefreut, wieder mal etwas voneinander gehört zu haben.

SPD-Fraktionssprecher Peter Stadtmüller ist baff: Nachdem die SPD-Abgeordneten Daniel Buchholz und Jutta Hertlein eine Initiative gestartet haben, um die Kastanien vor der Miniermotte zu schützen, kann sich Herr Stadtmüller vor Anfragen kaum noch retten. Beide Politiker stifteten 100 Laubsäcke, um die von den Mottenlarven befallenen Blätter einzusammeln. Bisher haben sich viele Bürger gemeldet, die einen solchen Sack haben wollen. Selbst Reservierungen sind möglich: Sogar eine Kreuzberger Kita ließ sich Säcke zurücklegen. Einziger Wermutstropfen für den Pressesprecher: Viele Leute wissen nicht, wo das Abgeordnetenhaus ist – und landen erst einmal im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Bundeszentrale.

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