Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Adam’s, Friedrichstraße 94, Mitte, So. bis Do. 10 bis 20.30 Uhr, Fr./Sa.bis 23 Uhr,

Windhorst, Dorotheenstraße 65, Mitte, Mo. bis Fr. 18 bis 2 Uhr, Sa./So. ab 21 Uhr

Die Friedrichstraße gibt sich chic, doch etwas fehlt. Bislang war kein Lokal zu erkennen, dass den Titel „Cocktailbar“ verdient hätte. Da schien der kurze, im Vorbeifahren zwischen Dussmann und dem Bahnhof erhaschte Blick auf das offene, großzügig dimensionierte „Adam’s“ zumindest eine Illusion zu gewähren. Ist dies vielleicht eine Metropolenbar, geeignet, die Cocktaillücke der Vorzeigemeile zu schließen? Drinking man und compañera waren interessiert.

Das Lokal macht einen unprätentiösen Eindruck. Mit elfenbeinfarbenem Stoff überzogene Stühle, ein Rundumtresen in der Mitte, ein spinatgrüner Opel-Oldtimer an der Seite, offenbar von der Opel-Repräsentanz ausgeliehen – die auch den Namen Adam’s mitzuverantworten hat, damit die Erinnerung an den Firmengründer Adam Opel wach bleibt.

Ein hoch gewachsener Keeperkellner mit militärischem Kurzhaarschnitt erschien, nahm die Cocktail-Order preußisch knapp entgegen – und berlinerte barsch, es gebe nichts mehr zu essen, „nich’ mal Chips“. Obwohl es Freitagabend war, kurz nach 20 Uhr. Drinking man und compañera horchten auf. War das nicht der Tonfall, in dem an der Friedrichstraße Grenzsoldaten die Einreise verweigerten, weil der Reisepass aus West- Berlin stammte statt aus der „BRD“? Ganz ergriffen nahm das drinking couple seine Cocktails entgegen, einen Arctic Rock (Smirnoff Red Label, Bacardi, Blue Curaçao, Ananas, Grapefruit) und einen Strawberry Margarita. Und trank fix aus und ging.

Etwa 150 Meter entfernt, in der Dorotheenstraße, bot dann ein Lokal Zuflucht mit trink- und essbarer Kost, pardon: Köstlichkeiten. Im „Windhorst“, hier schon oft gelobt, wurden drinking man und compañera (weiterhin unerkannt) mit einem großen Tapasteller, einem perfekt komponierten Red Lion (Gin, Grand Marnier, Grenadine, Limette, Orangensaft) und einem üppigen Mango-Daiquiri verwöhnt. Zu den Drinks kamen auch die unverzichtbaren Gläser mit Wasser und obendrein ein Schälchen Mandeln. Perfekt. Begleitet durch das freundlich-souveräne Auftreten des Herrn Windhorst, der sich, so ist zu hoffen, auch keiner Abwanderungssucht hingibt, nachdem der die benachbarte US-Botschaft schützende Polizeicontainer endlich vorm Eingang weggehievt wurde. Jetzt müsste der Weg frei sein, zur Windhorstisierung der Friedrichstraße.

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