Berlin : Kurzmeldungen

Sandra Dassler

CONTRA

Ich bin ein unbescholtener Bürger“, sagt der Kollege: „Deshalb habe ich überhaupt nichts dagegen, eine DNA-Probe abzugeben.“ So denken die meisten Menschen. Und irren sich gewaltig. Jeder kann zum Straftäter werden. Wer an der Ampel eine Sekunde lang unachtsam ist, auf das vorausfahrende Auto aufprallt und dessen Fahrer leicht verletzt, hat fahrlässige Körperverletzung begangen. Das ist eine Straftat. Wer einen unerträglichen Nachbarn im Ärger mit „Idiot“ betitelt, hat ihn beleidigt. Auch Beleidigungen sind Straftaten. Wer vergisst, eine von fünf Paprikaschoten aus dem Einkaufswagen aufs Band zu legen und an einen unnachsichtigen Kaufhausdetektiv gerät, hat gestohlen – Straftat. Versehentlich falsch ausgefüllte Steuererklärungen, Hackentreten beim Fußballspiel, böse Worte beim Ehestreit, nicht Bezahlen von Rechnungen – alles das kann, wenn Anzeige erstattet wird, dazu führen, als Straftäter verurteilt zu werden. Alles das hat es schon gegeben – und nicht einmal selten.

Wir leben in einem Rechtsstaat, der auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel achten muss. DNA-Karteien für Schwerverbrecher, bei denen Wiederholungsgefahr besteht, wird jeder für sinnvoll halten. Alle „Straftäter“ oder gar alle Menschen zu erfassen, ist mehr als bedenklich. Zumal niemand ausschließen kann, dass solche DNA-Proben in die falschen Hände gelangen. Sie enthalten Informationen über Erbkrankheiten. Das könnte auch Versicherungen interessieren. Oder Arbeitgeber. Die Datenschützer warnen zu Recht.

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