Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Dass Fußball-Kommentator Günter Netzer den Nationalspieler Michael Ballack wegen seiner ostdeutschen Herkunft als Führungsspieler für „charakterlich nicht geeignet“ hält, hat Petra Pau auf die Palme gebracht. Flugs mutierte die PDS-Innenpolitikerin zur fußballpolitischen Sprecherin der PDS im Bundestag und antwortete am Donnerstag dem Grimme-Preisträger Netzer, er möge sich doch bitte Folgendes ins Stammbuch eintragen: Am 22. Juni 1974 gewann die DDR-Nationalmannschaft in Hamburg 1:0 gegen die BRD-Elf. Und das kam so, schreibt Frau Pau: „In der 69. Minute wurde Günter Netzer eingewechselt. Und während Wessi Netzer im Mittelfeld vor sich hindöste, schoss Ossi Sparwasser in der 78. Minute das Führungs- und Sieg-Tor.“ Gestern stichelten die Sozialisten weiter: Man mache sich ernsthaft Gedanken darüber, ob Günter Netzer bei solch großen Erinnerungslücken für Kommentare überhaupt „charakterlich geeignet“ sei.

Die Grünen-Spitze schrieb an den Parlamentspräsidenten Walter Momper. In dem Brief beklagte sich die Fraktion über die „wenig hilfreiche“ Debattenschärfe der Herren Christian „Gäbler“ und „Dr. Lindner“ während der vergangenen Plenarsitzung: Es ging um die erneute Stasi-Überprüfung. Ein paar Tage später rief die Sekretärin des parlamentarischen Geschäftsführers der SPD-Fraktion bei den Grünen an. Nein, ihr Chef wolle sich nicht über den Inhalt des Briefes beschweren, sondern bitte künftig um die richtige Schreibweise: Gaebler und nicht Gäbler. Daraufhin grummelte Grünen-Geschäftsführer Felsberg: Er werde so lange Gäbler schreiben wie der SPD-Politiker seinen Vornamen falsch schreibe: Rainer statt richtigerweise Reiner. Der nächste im Bund, Herr Uwe Döring Verzeihung: Doering, hat sich als parlamentarischer Geschäftsführer der PDS-Fraktion in dieser hochpolitischen Debatte noch nicht zu Wort gemeldet.

Auf seiner Wirtschaftsreise am Montag nach Stettin wurde PDS-Wirtschaftssenator Harald Wolf während einer Hafenrundfahrt jäh aus seinen Gedanken gerissen. Bartlomiej Sochanski, deutscher Honorarkonsul in Stettin, fragte Wolf höflich: „Darf ich fragen, was mein Freund Peter Strieder macht?“ Der PDS-Politiker: „Herr Honorarkonsul, Peter Strieder ist eine Konstante in der Berliner Politik.“ Drei Tage nach Wolfs Besuch reiste der SPD-Verkehrssenator nach Stettin, um eine Ausstellung zum 160-jährigen Bestehen der Zugstrecke Stettin-Berlin zu eröffnen. Dass „sein Freund“ in die Stadt kommt, war dem deutschen Honorarkonsul nicht bekannt.

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