Berlin : Kurzmeldungen

Michael Wendt: Die Nummer 001

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Michael Wendt kann es gar nicht leiden, wenn er als prominentes Gründungsmitglied auf die Nummer seines Mitgliedsausweises „001“ reduziert wird. 1978 war der damalige Maschinenbaustudent 22 Jahre alt und bei den sozialdemokratischen „Falken“ aktiv, organisierte Zeltlager und lebte inmitten der alternativen Kultur in der Stadt. „Man konnte sich ja jeden Tag in der alternativen Szene tummeln: Von der Vollkornbäckerei am Morgen, über die alternative SchrauberKlitsche im zweiten Hinterhof in Kreuzberg und abends in die Öko-Szene-Kneipe gehen.“ Dennoch war für ihn das Bedürfnis groß, all die Kiez-Initiativen, die es damals in West-Berlin gegeben hatte, zu bündeln. Die 68er Bewegung sei am „Austrudeln“ gewesen, „irgendwie ging es auch nicht voran, weil sich viele Gruppen inzwischen isoliert und gespalten hatten.“ Ein Satz von Willy Brandt gab bei ihm den Ausschlag, sich für ein breites Bündnis zu engagieren. „Ich saß vor dem Fernseher, als Willy Brandt nach einer Wahl in Hessen sagte: Es gibt noch eine Mehrheit diesseits der Union.“ Danach war er „wie elektrisiert“: Er bereitete die Gründungsversammlung der AL am 5. Oktober mit vor. Von ihm heißt es, dass er die mehrstündige Debatte in der „Neuen Welt“ in der Hasenheide mit den Worten „Also Leute, jetzt haben wir uns gegründet“ beendet hatte; davon weiß er selbst allerdings nichts mehr.

Michael Wendt zog 1981 mit der ersten AL-Fraktion ins Abgeordnetenhaus, arbeitete in den neunziger Jahren als Stadtrat in Neukölln und ist heute noch im Landesvorstand der Grünen aktiv. In seinem Herzen, betont er, sei er eines geblieben: „Ein Linker.“ sib

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