Berlin : Kurzmeldungen

Wolfgang Wieland: Teufels Liebling

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Vor 25 Jahren war Wolfgang Wieland ein junger Anwalt in Berlin. Er verteidigte zwischen 1978 und 1980 im so genannten LorenzDrenkmann-Prozess Fritz Teufel. Der frühere Berliner Kammergerichts-Präsident Günter von Drenkmann wurde 1974 erschossen, 1975 entführte die „Bewegung 2. Juni“ den Berliner CDU-Landesvorsitzenden Peter Lorenz. Teufel wurde vom Vorwurf des Mordes und der Entführung schließlich freigesprochen. Die Teufel-Verteidigung war „sehr arbeitsintensiv“, erinnert sich der heute 55-jährige Jurist Wieland. In vorderster AL-Reihe trat er 1978 deshalb auch nicht auf. Er war lediglich auf Vorbereitungstreffen vor der AL-Gründungsveranstaltung am 5. Oktober dabei. Damals fand er es „richtig und wichtig“, dass sich die verschiedenen Initiativen auf ein Bündnis, eine Plattform als „Alternative Liste“ vereinigten. „Ich war euphorisch und freute mich über diese Aufbruchstimmung.“ Aufbruch - das war für Wieland auch ein Befreiungsschlag aus der „dogmatischen Enge“ der damaligen K-Gruppen: Als Student war er im Umfeld der früheren maoistischen KPD aktiv, aber „nie Mitglied gewesen“, wie er heute betont. Damals war er aktiv in Initiativen gegen Berufsverbote und juristischen Zirkeln, die sich für mehr Rechte für Verteidiger einsetzten. Bei seiner politischen Arbeit kam ihm zupass, dass die AL in Bezirken und Fachbereichen organisiert war. „Meine Aufgaben in der AL beschränkten sich auf juristische Beratung und auf das Verteilen von Flugblättern oder Zeitungen.“ Erst 1987 zog Wolfgang Wieland ins Abgeordnetenhaus ein. Heute gibt er freimütig zu, dass die heutigen Grünen sehr „verparlamentarisiert“ sind. Früher war das undenkbar – das wäre der Anfang vom Ende der Igel-Partei gewesen. sib

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