Berlin : Kurzmeldungen

S. Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Es muss ja nicht immer so sein, dass ehemalige Stadträte der öffentlichen Hand zur Last fallen. Bernd Schimmler aus Wedding und Diethard Rüter aus Reinickendorf haben versucht, das Gegenteil zu beweisen. Und eine gemeinsame Rechtsanwaltskanzlei gegründet. Der SPD-Parteifreund Sascha John, der bei Schimmler früher als Rechtsreferendar arbeitete, macht auch mit. Es war gar nicht einfach, preiswerten Gewerberaum zu finden, und so rückten die drei Sozialdemokraten der Partei auf die Pelle. In der SPD-Landeszentrale in der Müllerstraße waren noch Zimmer frei; die wurden untervermietet, und die ehrwürdige rote Fahne weht seitdem auch über einer Anwaltskanzlei. Nein, ein Parteibuch müssen die Klienten nicht mitbringen…

Am 1. Oktober feierte in Berlin nicht nur der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit seinen 50. Geburtstag, sondern auch der parlamentarische Geschäftsführer der PDS-Fraktion. Uwe Doering genoss den Tag sehr: Fast alle Radiosender brachten Glückwünsche, wohlmeinende Horoskope und Persönlichkeitsbeschreibungen. Dass die Glückwünsche nicht ihm, sondern Klaus Wowereit galten, störte Uwe Doering gar nicht. Er habe den damit verbundenen Namen einfach „ausgeblendet“. Besonders gefallen hat dem PDS-Politiker die Beschreibung der Waage-Männer: hartes Äußeres, weicher Kern, ein Hauch von Geheimnis, vermischt mit ein wenig Machismo und Sanftmut. In einem Punkt aber unterscheide er sich vom Regierenden: „Ich bin nicht beratungsresistent.“ Das habe ein Astrologe im Radiointerview über Herrn Wowereit gesagt. Also hat Herr Doering doch gut zugehört und auf Glückwünsche und Namen geachtet. Ist selektive Wahrnehmung typisch für Waage-Männer?

Als die Senatoren am Dienstag vor dem Gesetzentwurf zur Opernreform brüteten, stolperten sie über die Sprachregelung. PDS-Frauensenator Harald Wolf mahnte an, in dem Gesetzestext auf die männliche und weibliche Sprachregelung zu achten. So heißt es folglich in den Passagen über den Stiftungsrat „Der Generaldirektor“ beziehungsweise „Die Generaldirektorin“, „Der „Intendant“ beziehungsweise „Die Intendantin“. Darüber entspann sich am Senatstisch eine heitere Diskussion über die Zweckmäßigkeit und Lesbarkeit von langen männlich-weiblichen Wortungetümen. Senatskanzleichef André Schmitz bemerkte, künftig dürfe man in einer neuen Gesetzesvorlage neben der „Sopransängerin“ den „Sopransänger“ auch auf keinen Fall vergessen. So sehr sich Senator Wolf als Verfechter/Verfechterin von der Gleichstellungsrichtlinie abmüht: In seiner eigenen Verwaltung hält man es damit nicht so genau. Grünen-Landesgeschäftsführerin Kirsten Böttcher erreichte eine Einladung der Wirtschafts- und Frauenverwaltung, die an Herrn Kirsten Böttcher adressiert war.

U. Zawatka-Gerlach

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben