Berlin : Kurzmeldungen

Peter Scheib

DIE WEINE DES MONATS

Der Herbst ist da, die Rotweinzeit beginnt. Spanien ist als Herkunftsland für sanft alkoholische Herzerwärmer inzwischen etabliert, doch kaum noch jemand kennt sich aus im Dschungel der ständig expandierenden Anbauflächen und neuen Anbaugebiete. Katalonien, nun gut, das ist noch einigermaßen eingängig. Im finanziell gut gestellten Hinterland der Boomstadt Barcelona boomt der Weinbau, seit Pioniere wie Miguel Torres die Möglichkeiten der neuen Technik zeigten. Die namhaften spanischen Sekte kommen von dort und Rotweine sowieso. In der Region dominieren anders als im Rest Spaniens eher kleine Familienunternehmen, die freilich ihre Trauben überwiegend nicht selbst verarbeiten. Anders hält man es auf der Bodega Bohigas , die auf einem der ältesten katalanischen Gutshöfe im Bereich des Flusses Anoja residiert – hier wird bereits seit über 400 Jahren Wein angebaut. Bohigas setzt überwiegend auf den erfolgreichen Trend, international populäre Rebsorten mit den typisch spanischen zu verbinden und so marktgängige Weine mit eigenem Charakter zu schaffen. Die 2000er Crianza de la Familia ist eine Cuvée aus Tempranillo, Carinena und Merlot, die nach den obligatorischen zwölf Monaten im Eichenfass eine sehr schön ausgewogene Aromatik zwischen dunklen Waldfrüchten und Pflaume, Vanille und Tabakdose zeigt, sanft süßlich, rund und anhaltend, aber durchaus elegant und ohne den plumpen Von-allem-zu-viel-Stil manch neuer spanischer Kreation. Die Flasche kostet 6,90 Euro bei Wein & Vinos , Knesebeckstraße 86/87 in Charlottenburg, Mittenwalder Straße 16 in Kreuzberg, Clayallee 323 in Zehlendorf und am Ludolfingerplatz 1-3 in Frohnau.

Unser zweiter Rotwein für diesen Monat vertritt im Vergleich eher das alte Europa, allerdings auf einem höchst zeitgemäßen Niveau. Südtirol, dessen Weine seit der Initialzündung durch Pioniere wie Alois Lageder qualitativ jedem Vergleich standhalten kann, ist nach dem Abflauen der Kalterer-See- Welle zur Heimstatt des Merlot geworden, der in den für die Region typischen Lagen um 400 Meter Höhe besonders gute Bedingungen vorfindet. Machen die Winzer alles richtig, erinnern ihre Weine durchaus an die klassischen und weltweit gesuchten Merlots aus dem Pomerol, sprechen aber immer auch ein wenig Südtiroler Dialekt. Elena Walch, die promovierte Architektin, Vorzeigewinzerin der Region und „Gewürztraminer-Königin“, befasst sich erst seit kurzem mit dieser Rebsorte als Solist, und das mit bestem Erfolg. Bei den sortenrein ausgebauten Weinen unterhalb der kostspieligen Spitze empfindet sie das Barrique-Aroma eher als störend, und deshalb hat sie auch diesen Merlot im großen Holzfass ganz auf Ausdruck und die Frucht der Rebsorte fokussiert, saftig, würzig, mit Struktur und Tiefe bei vernünftig dosiertem Alkohol (12,5 Prozent). Im Bukett fügen sich Schokolade, Minze und Waldfrüchte mit dezenten Holznoten zu einem eindrucksvollen Panorama. Die Flasche des 2001er Merlot von Elena Walch kostet 11,50 Euro bei Reinhard Schuberth in seinem Geschäft Welt der Weine in der Winsstraße 9 in Prenzlauer Berg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben