Berlin : Kurzmeldungen

Jackie Collins ist die kleine Schwester von Denver-Biest Joan und schreibt Bestseller über das Leben in Hollywood. Das jüngste Buch führte die Autorin erstmals nach Berlin, wo sie es der Hauptstadtgesellschaft vorführte Das Glitzern im Keller

Elisabeth Binder

Diesmal versammeln sich die Spitzen der Society nicht oben im Borchardt, auf dem üblichen Jahrmarkt der Eitelkeiten. An diesem Abend kommen sie in einem fensterlosen Saal im Keller zusammen. Besonderer Anlass: Ein Dinner für Jackie Collins. Es ist vielleicht typisch für die Hauptstadtgesellschaft, dass unter den etwa 80 Gästen, die hier beim Aperitif zwischen festlich gedeckten Tischen zusammen stehen, etliche gar nicht so genau wissen, wer der Gastgeber ist. Oder der Stargast. Sie haben sich schlicht darauf verlassen, dass die Organisatorin des Abends, Beate Wedekind, schon weiß, mit wem sie es zu tun hat. Dieter Abt also war der Gastgeber, und Gegenstand des anfänglichen Smalltalks, bei dem man versuchte, sich ein Bild zu machen. Dieter Abt, stellt sich schnell heraus, ist der gut aussehende, große blonde Mann mit hellbraunem Teint, globalem Akzent (schweizerisch-amerikanisch eingedeutscht) und wachen Augen.

Seine Basis ist in Zürich, aber die meiste Zeit lebt er in Los Angeles, und er besitzt auch eine Wohnung in Berlin. (Hat man heute statt Koffer.) Beruflich macht er in Film- und Fernsehproduktionen und Netzwerkverflechtungen zwischen den USA und Old Europe. Und er ist ein superguter Freund von Jackie Collins. Die ist nicht, wie der berühmte Banker vermutet, eine Schauspielerin, sondern nur die Schwester von dem berühmten Denver-Biest Joan Collins. Was heißt nur! Sie ist Bestseller-Autorin, hat 400 Millionen Bücher in 40 Ländern verkauft, und das letzte liegt in großen Stapeln auf einem Tisch am Eingang: „Hollywood Affairs“ heißt es und handelt von denselben. Jackie Collins hat auch schon Bücher über die Ehefrauen und die Scheidungen von Hollywood geschrieben, gilt als die Königin der Glitzerversion von Sex and Crime, und ihr Lieblingswort ist offenbar „terrific“. Dass sie noch nie zuvor in einem Raum so viele gut aussehende Menschen versammelt vorgefunden hat wie an diesem Abend in der Borchardt’s Katakombe, möchte man ihr gerne glauben – und kann es doch nicht ganz.

Jackie Collins also glitzert und funkelt und wartet auf ihren Galan dieses Abends, der lange nicht kommt. Dafür sieht sie umwerfend gut aus in ihrem schwarzen Hosenanzug mit dem gerade richtig dosierten Strass-Schmuck und einem Gesicht, das in den Betrachterinnen nur einen Wunsch erweckt: Die Adresse ihres Arztes zu erfahren. Es sieht nämlich nicht nur perfekt aus, sondern richtig nett und total unkünstlich. Wie alt sie wohl sein mag, fragen sich tuschelnd die Gäste. Professor Rott, weggetragen von österreichischer Galanterie, tippt mal auf Anfang 40. Als Rechenkünstler die Oberhand gewinnen, die glaubhaft machen, dass es irgendwas mit einer 6 am Anfang sein muss, ist ihm die anfängliche Einschätzung zwar peinlich, aber das ist egal. Alter ist mehr denn je eine Frage der Möglichkeiten.

Sie posiert für Fotos mit Cherno Jobatey, Irina Pabst und Isa Gräfin von Hardenberg. Plaudert charmant über ihre ersten Eindrücke von Berlin, über ihre Pläne für den nächsten Tag (die Mauer besichtigen, Shopping), darüber, dass sie die Fernsehserien zu ihren Büchern selbst produziert, damit sie die Kontrolle über die Bilder behält. Und dass sie natürlich ihre Schwester Joan in London zum Dinner getroffen hat. Ja, Samstag geht’s nach Zürich und dann back home. Arbeit wartet. Fürs Sightseeing werde ihr der Bürgermeister schon ein paar Tipps geben, hofft sie. Der aber lässt, wie gesagt, auf sich warten. Es gibt Currysuppe und Hirschgulasch.

Star-Berater Jürgen Schau demonstriert, wie sich die Ladies in Hollywood begrüßen. Sie legen sanft die Finger hinter die Ohren der anderen, um die neuesten Narben zu ertasten. Ein Unternehmenssanierer stellt sein Geschäft so spannend dar, als wolle er den Stoff nach Hollywood verkaufen. Es ist schon gegen 23 Uhr, gerade wird Schokoladenpudding mit Vanillesauce serviert, als Klaus Wowereit doch noch kommt. Blitzschnell ist er in eine angeregte Unterhaltung mit Jackie Collins vertieft. „Wir verstehen uns prächtig“, sagt sie später. „Ich weiß alles über Politik, und er weiß alles über Hollywood. Es kommt mir so vor, als würden wir uns schon unser ganzes Leben lang kennen.“

Mehr kann man von so einem Abend wahrscheinlich nicht verlangen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben