Berlin : Kurzmeldungen

Ulrich Zawatka-Gerlach

HINTER DEN KULISSEN

Manchmal stellt sich die raue Wirklichkeit den guten Absichten in den Weg. So hat der Grünen-Abgeordnete Michael Cramer jahrelang dafür geworben, dass der öffentliche Personennahverkehr Vorfahrt hat. Er fuhr immer nur Eisenbahn, U-Bahn, Bus oder Fahrrad. Bald muss er Luft verschmutzend und viel Energie verbrauchend in die Luft gehen. Cramer wird 2004 wohl ins Europaparlament einziehen und nach Brüssel zwangsläufig fliegen müssen. Von Tempelhof aus; jenem Flughafen, der nach Meinung der Grünen längst geschlossen sein sollte. Verkehrte Welt musste auch Cramers Fraktionskollegin Lisa Paus in Leipzig spielen, wo sie nach einem Kongress der Grünen Jugend mit der Straßenbahn zum Bahnhof fahren wollte. Fast hätte sie den Zug verpasst. Weil eine Tram mit Maschinenschaden liegen blieb, standen die anderen Straßenbahnen – im Stau. Lisa Paus stieg rasch ins Taxi um.

Kalkutta liegt nicht in Hessen, aber manchmal stehen auch dort stoische Rindviecher an der falschen Stelle herum. Als Bildungssenator Klaus Böger am Donnerstag zur Kultusministerkonferenz nach Darmstadt reiste, schreckte eine laute Durchsage die Fahrgäste hoch: Der Zug müsse leider anhalten, denn mehrere Kühe blockierten das Gleis. Es war wie früher, als der kleine Klaus noch mit der Eisenbahn aus seinem hessischen Heimatort Lauterbach in die Nachbargemeinde zur Schule fuhr. Damals stoppte der Zug manchmal aus dem gleichen tierischen Grund. Vielleicht rührt es daher, dass der SPD-Mann gern davon spricht, dass heilige Kühe geschlachtet werden müssten.

Ob der rot-rote Senat preiswürdig ist, sei dahingestellt. Aber er verleiht jede Menge Preise: Vom Integrationspreis der Sozialverwaltung über die Ferdinand-von Quast-Medaille der Stadtentwicklungsbehörde bis zum Brüder-Grimm-Preis der Senatsverwaltung für Wissenschaft und Kultur. Den Berliner Frauenpreis nicht zu vergessen. Ein gutes Dutzend Auszeichnungen werden regelmäßig an verdiente Bürger vergeben; teilweise gut dotiert. Mindestens wird eine Urkunde oder ein Wanderpokal überreicht. Aber: Die Finanznot hat jetzt auch die landeseigene Ruhmeshalle erreicht. So gibt es seit diesem Jahr keinen Joachim-Tiburtius-Preis für hervorragende Diplomarbeiten mehr und im nächsten Jahr fällt der Aronson-Preis für bedeutende Leistungen in der Mikrobiologie weg. Die Finanzverwaltung selbst bleibt davon unberührt. Sie hat noch nie für irgendwas einen Preis verliehen.

Manche Politiker joggen sich gern Fettpölsterchen und täglichen Frust weg. Der sportpolitischen Sprecherin der FDP-Fraktion, Mieke Senftleben, tritt man aber nicht zu nahe, wenn man ihr eine gewisse Unsportlichkeit bescheinigt. Sie steht dazu und lässt die eigene Familie laufen. Zwei ihrer fünf Kinder, die Töchter Aiga und Lotta, skateten beim letzten Berlin-Marathon mit. Ehemann Axel lief die 42 Kilometer zu Fuß und belegte, wie die FDP-Politikerin stolz erzählt, einen neunundzwanzigtausendstenundnochwas Platz. Dabei sein ist alles – ein bewährtes Motto der Liberalen.

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